In Afrika gibt es zwischen 2.000 und 2.500 Sprachen und Dialekte, hiervon ca. 1.500 in Westafrika. Diese übertreffen europäische Sprachen bei weitem in der Möglichkeit, detaillierte Schilderungen der Natur zu geben. Das wohl markanteste Merkmal vieler afrikanischer Sprachen ist die Tonalität. Die Tonhöhe und Länge der Vokale sind bedeutungsunterscheidend. Im Mandinka heißt súwo mit dem Hochton auf dem ersten Vokal ‚Haus’, während suwó mit dem Hochton auf dem zweiten Vokal ‚Pferd‘ heißt. Diese Tonsprachen klingen durch den Wechsel von Höhen und Tiefen äußerst melodiös. Fast alle afrikanischen Sprachen sind ohne Schrift, einige Sprachen wie das Wolof und das Hausa wurden jedoch inzwischen standardisiert und zur Schriftsprache gemacht. Einige Sprachen wie das Dyula, das sich kaum vom Bambara unterscheidet, und das Hausa haben sich in ganz Westafrika zu Handels- und Verkehrssprachen entwickelt. Auch das Fulfulde ist aufgrund der starken Wanderbewegungen der Fulbe in ganz Westafrika verbreitet.

 

Die Amtssprachen wurden von den Kolonialherren übernommen: Französisch, Englisch und Portugiesisch (Guinea-Bissau). Der größte Teil der westafrikanischen Bevölkerung ist mehrsprachig. Es ist nicht selten, dass Westafrikaner bis zu zehn verschiedene Sprachen beherrschen.

 

Afrikanische Sprachen wurde in vier große Stämme eingeteilt, nämlich in Afroasiatisch (Hamitosemitisch), Khoisan, Niger-Kongo und Nilosaharanisch. Bis auf das Khoisan sind alle diese Sprachstämme auch in Westafrika vertreten. Diese vier Hauptgruppen werden wiederum in weitere Untergruppen aufgeteilt.

 

Zum Afroasiatischen Sprachstamm zählen in Westafrika das Berberische am Südrand der Sahara und die Tschadischen Sprachen, die in Nigeria, dem Tschad, in Kamerun und Nigeria gesprochen werden. Das Tuareg (Tamaschek) füllt die Übergangszone von Sahel und Sudan im Osten Malis und im Norden Burkina Fasos aus.

 

Zu den Niger-Kongo-Sprachen zählt die Atlantische Sprachfamilie, die sich vom Senegal bis nach Sierra Leone und Liberia erstreckt. Die verbreitetsten Atlantischen Sprachen sind das Wolof, das Fulfulde (Peulh, Pular) und das Seereer. In der senegalesischen Casamance, in Guinea-Bissau und in der Republik Guinea gibt es weitere Atlantische Sprachen (z.B. Diola, Balanta, Papel, Nalu), von denen viele nur wenige Tausend Sprecher haben.

 

Die Mande-Sprachen bedecken einen großen Teil des Sahel-Gebietes und reichen südlich bis nach Guinea hinein und umfassen etwa vierzig Sprachen, die heute von ca. zehn Millionen Menschen gesprochen werden. Entlang des Gambia-Flusses wird in Gambia das Mandinka gesprochen, das auch in der südlich gelegenen Casamance weit verbreitet ist. Weitere wichtige Mande-Sprachen sind das Bambara, Maninka, Malinke, Soninké, Susu, Mɛnde, Vai und Kpelle. Von der Mehrzahl der anderen Niger-Kongo-Sprachen hebt sich das Mande durch das Fehlen jeglicher Nominalklassensysteme ab.

 

Die Kwa-Sprachen (z.B. das Baule in der Elfenbeinküste, das Akan in Ghana, das Ewe und Gã in Togo und Benin), reichen von Liberia bis nach Togo, Charakteristisch für viele Kwa-Sprachen ist das Fehlen eines grammatischen Geschlechts (Genus, Nominalklassen) beim Nomen und eine Flexion des Verbs. Kennzeichnend sind auch die komplizierten Lautsysteme und der variationsreiche Satzbau.

 

Die über neunzig Gur-Sprachen werden in Burkina-Faso, Mali, Elfenbeinküste, Ghana, Togo und Benin gesprochen. Zu den Gur-Sprachen gehört das Mossi, das mit ca. fünf Millionen Muttersprachlern und ca. zwei Millionen Zweitsprechern einen besonderen Platz einnimmt. Daneben gehören auch das Dagomba, Mamprusi und das Gurma zu dieser Sprachenfamilie.

 

Die Adamawa-Ubangi-Sprachfamilie ist in Nigeria und dem zentralen Sudan beheimatet

 

Die Benue-Kongo-Sprachen haben sich in der Region südöstlich des Niger-Benue-Zusammenflusses im heutigen Nigeria bis in das südliche und östliche Afrika verbreitet. Sie beinhaltet die großen nigerianischen Nationalsprachen Yoruba, das Igbo und das Edo.

 

Zum Nilosaharanischen Sprachstamm gehören in Westafrika die Saharanischen Sprachen, das Songhai und möglicherweise auch das Dogon, das in Mali gesprochen wird.

 

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