Ahnenverehrung, Fruchtbarkeitsrituale, Totemismus sind allgemeiner Bestandteil traditioneller afrikanischer Religionen. In viele dieser Religionen gibt es einen Schöpfergott, der auch Regen, Donner und Blitz bringt. Er wird als mystisches Wesen aus der Urzeit angesehen. Er ist unsterblich und allgegenwärtig und braucht für sein Fortbestehen keine Opfergaben. Er hat einen ethischen Charakter und fordert von den Menschen moralische und ethische Verhaltensweisen.

 

Auf der nächsten Stufe unterhalb des Schöpfergottes stehen die Sekundärgottheiten, welche die Beziehung zwischen den Menschen und dem höchsten Wesen regeln. Es sind die Götter der Erde, des Himmels, des Feuers, des Wassers, der Fruchtbarkeit usw.

 

Unterhalb der Sekundärgottheiten befinden sich die Clangottheiten, die Dorf- und Familiengottheiten und Gottheiten für einzelne Individuen. Diese Gottheiten sind mehr an Erdkulte gebunden als die Sekundärgottheiten. Sie haben eine engere Beziehung zu den Menschen und helfen ihnen bei der Bewältigung des Alltags. Aus Tieropfern beziehen Sie Ihre Nahrung.

 

 

Gemeinschaften, die kollektiv eine dieser Gottheiten verehren, formen religiöse Bünde, in denen die Mitglieder lange Phasen der Initiation absolvieren. Diese Bünde stellen sicher, dass in den Dörfern die Gesetze respektiert werden. Ganz spezielle Riten werden von den Geheimgesellschaften in ‚Heiligen Wäldern‘ abgehalten.

 

 

Zum besseren Verständnis der Religion muss man die Konzeption des Menschen in diesen Gesellschaften betrachten. Der Körper ist nur die Hülle des Menschen nach außen. Menschliche Seelen gibt es hingegen drei: Lebens-, Todes- und Traumseele.

 

Der Lebensseele werden Gefühle, Charakterzüge und wichtige Handlungen, die ein Mensch im Leben vollzieht, zugesprochen. Die Lebensseele haben nur Menschen, keine Tieren und Pflanzen. Nach dem Tod geht die Lebensseele zum höchsten Wesen zurück.

 

Die Todesseele ist jene spirituelle Substanz, die mit dem Blut der Mutter und dem Sperma des Vaters auf das Kind übergeht. Mit ihr wird ein Ahne in einem Kind wiedergeboren. Nach dem Tod verweilt die Todesseele noch einige Tage unter den Lebenden und geht dann in das Land der Ahnen zurück.

 

Die Traumseele ist die geistige und spirituelle Komponente des Menschen. Sie kann den Menschen zu Lebzeiten zeitweilig verlassen, beispielsweise wenn er schläft und träumt. Durch die Traumseele erfahren die Menschen Visionen und Erscheinungen. Besondere Menschen (Seher) haben eine starke Traumseele und können mit der unsichtbaren Welt in Kontakt treten. Hexen versuchen an die Traumseele von Menschen zu kommen. Die Traumseele bleibt nach dem Tod eines Menschen einige Tage mit im Grab und geht dann in einen neugeborenen Körper.

 

Das Schicksal bestimmt die Beziehung des Menschen zu Gott und seinen individuellen Werdegang. Vor der Geburt einigt sich der Mensch mit dem Schicksalsgott auf eine Existenzform. Nach der Geburt kann der Mensch mit Hilfe der Geister sein Schicksal immer wieder leicht umgestalten.

 

Der Tod bedeutet eine Passage in die Welt der Ahnen, wo er im Jenseits weiterlebt. Die Form der spirituellen Existenz unterscheidet sich nicht wesentlich von der materiellen. Götter und Ahnen essen, heiraten, erzürnen sich und sind gelegentlich zu Späßen aufgelegt.

 

Durch religiöse und magische Praktiken können die Menschen mit den unsichtbaren Mächten in Kontakt treten. Opferriten geben einer Bitte um Hilfe oder Beistand besonderes Gewicht. Der (Fetisch)-Priester bestimmt dabei meist Geschlecht und Art des Opfertiers. Den unsichtbaren Mächten gibt man das Blut als Nahrung, das Fleisch wird unter den Menschen aufgeteilt.

 

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