Den Lebenszyklus kennzeichnen verschiedene Übergänge von einem Lebensabschnitt in einen anderen. Jeder dieser Übergänge wird von bestimmten Riten begleitet, welche den Segen der Ahnen sicherstellen sollen.

Geburt und Taufe

 

Mit der Geburt des ersten Kindes hat der Mann seine „Männlichkeit“ bewiesen und die Frau ihre „Bestimmung“ erfüllt. In der Vorstellung vieler Kulturen bekommt das Kind von der Mutter Fleisch, Blut und alle sozialen Eigenschaften und vom Vater die Lebenskraft und die Seele. Während der Schwangerschaft muss die Frau bestimmte Tabus und Vorschriften einhalten, mit denen das ungeborene Kind vor Unfällen, dem Zorn der Ahnen und vor Hexerei geschützt werden soll. Bei der Geburt selber dürfen Männer in der Regel nicht anwesend sein. Plazenta und Nabelschnur werden an einem geheimen Ort vergraben, damit sie nicht in den Besitz von Hexen und Zauberern kommen können. Die Taufe und Namensgebung findet eine Woche nach der Geburt statt. Der Name wird dem Neugeborenen ins Ohr geflüstert und es wird ihm der Kopf rasiert. Damit ist der Neugeborene in die Gemeinschaft aufgenommen.

 

Die Initiation

 

Mit der Initiation erfolgt der Übergang vom Kind zum jungen Erwachsenen. Der Junge wird zum Mann, das Mädchen zur heiratsfähigen Frau. In der Zeit der Initiation leben die Jugendlichen mehrere Wochen im Busch, kilometerweit vom heimatlichen Dorf entfernt. Sie haben Mutproben zu durchstehen und werden in die Mythologie sowie in das kultische Leben des Stammes eingeführt. Die Beschneidung der Knaben (Zirkumzision) und der Mädchen (Exzision) stellt meist den Höhepunkt der Initiation dar. Der Beschneidung liegt die Vorstellung zugrunde, dass jedes Kind zweigeschlechtlich geboren wird. Das männliche Element liegt in der Klitoris, das weibliche befindet sich in der Vorhaut. Durch die Beschneidung findet die endgültige Bestimmung des Geschlechtes statt. Der Anteil beschnittener Frauen ist von Ethnie zu Ethnie sehr verschieden. Während bei den Wolof nur noch ein ganz geringer Teil der Mädchen beschnitten wird, ist der Anteil beispielsweise bei den Mandinka, Bambara und den Fulfulde recht hoch.

Die Hochzeit und Ehe

 

Die Ehe wird in traditionellen Gesellschaften als Gemeinschaftsangelegenheit angesehen, also als Verbindung zweier Clans. Oftmals werden Kinder schon in sehr frühen Jahren „verlobt“. Bei der Eheschließung ist das Bündnis zweier Familien wichtiger als die gegenseitige Zuneigung. Akzeptiert die Familie des Mädchens den Freier, wird von dessen Familie eine Brautgabe an die Eltern der Braut übergeben, oftmals durch einen Mittelsmann. Im Falle einer Scheidung muss die Brautgabe zurückgegeben werden. Polygamie war schon vor dem Auftreten des Islam in Westafrika gängige Praxis. Durch den Islam wurden polygame Ehen auf vier Frauen begrenzt. Die erstgeheiratete Frau ist die Hauptfrau und steht über den anderen Frauen. Vielerorts wird die Leviratsehe praktiziert, d.h. stirbt ein Mann, so erbt einer der Brüder die Ehefrau des Verstorbenen.

 

 

Tod und Wiedergeburt

 

Beim Tod eines Menschen verlässt die menschliche Seele ihre leibliche Hülle und begibt sich in die Welt der Ahnen. Mit der Geburt des Kindes kehrt sie dann wieder in die Familie zurück.

 

Grabbeigaben sollen dem Toten bei der Zubereitung von Speisen im Jenseits dienen. Manchmal werden der Seele auch Gegenstände für die Ahnen mitgegeben.

 

Den Totengeistern werden häufig noch einige Tage nach der Beerdigung Opfergaben auf das Grab gestellt, denn sonst findet der Tote nicht ins Totenreich und kann nicht zum Ahnen erhoben werden.

 

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