Heinrich Barth (* 16. Februar 1821 in Hamburg; † 25. November 1865 in Berlin) war ein deutscher Afrikaforscher und Wissenschaftler (Historiker, Geograph, Philologe).

 

Heinrich Barth wurde als Sohn eines wohlhabenden Fleischereibesitzers in Hamburg geboren, besuchte zuerst eine Privatschule und wechselte an das renommierte Johanneum, wo er 1839 sein Abitur ablegte. Schon während seiner Schulzeit zeigten sich eine ausgesprochene Begabung für das Erlernen von Fremdsprachen und ein großes Interesse an der Antike.

 

Nach dem Abitur immatrikulierte er sich an der Universität zu Berlin. Er studiert Philologie, das klassische Altertum, Archäologie, hört auch geographische Vorlesungen. 1844 promoviert Heinrich Barth über die Handelsbeziehungen des alten Korinths.

 

Barth war ein ausgezeichneter Linguist und sprach fließend Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Türkisch, und Arabisch, außerdem erlernte er mehrere afrikanische Sprachen. Er hatte es sich auf seiner Afrikareise zur Maxime gemacht, nach Möglichkeit mit den Menschen, mit denen er zusammentraf, in ihrer Landessprache kommunizieren zu können. So beherrschte er mehrere Dialekte des Tamaschaq, der Sprache der Tuareg, die maurisch-arabischen Dialekte Nordwestafrikas, das Hausa, das Fulfulde und das Kanuri.

 

Im Jahre 1849 bereitet die englische Regierung unter der Leitung von James Richardson eine Expedition nach Zentralafrika vor. Ein Ziel der Expedition ist, mehr über die Machenschaften der Sklavenhändler in der Region herauszufinden. Außerdem sollen Handelskontakte zu den Anführern der islamischen Stämme des Sudan geknüpft werden. Insbesondere wegen seiner Sprachkenntnisse sollte auch der reiseerfahrene Wissenschaftler Heinrich Barth die Expedition begleiten. Noch ein zweiter Deutscher, der Hamburger Geologe Adolf Overweg, war mit von der Partie.

 

Die Expedition verließ im März 1850 Tripolis, um die Sahara zu durchqueren. Zehn Kamele – zwei davon sind Reittiere für Barth und Overweg – trugen die Ausrüstung: Tauschwaren, Geschenke, Messinstrumente, Medizin, Zelte, Proviant, Wasserschläuche, Waffen und Munition. Außerdem ein Mahagoni-Boot, das in zwei Teilen transportiert wurde.

 

Zunächst ging es nach Mursuk. Die Entdecker nahmen nicht die gängige Karawanenroute, sondern den Weg über die Oasenstadt Ghat ins Bergland Aír nach Tin Telloust.

 

Im Damerghu (an der Nordgrenze von Bornu, dem heutigen Nordnigeria) trennten sich Deutsche und Engländer. Richardson wollte mit seinem Teil der Gruppe direkt zum Tschadsee reisen, die zwei Deutschen wollten noch eine westliche Route zum Tschadsee finden. Barth reist über Katsina nach Kano (im heutigen Nigeria), trennt sich unterwegs auch von Overweg.

 

Am 7. Mai 1851 traf Heinrich Barth verabredungsgemäß in Kukawa ein. Richardson aber war auf dem Weg dorthin gestorben. Die Engländer übertrugen daraufhin dem Hamburger die Führung der Expedition.

 

Da der Weg nach Osten in Richtung Nil versperrt war, beschlossen die beiden Überlebenden Barth und Overweg, stattdessen nach Westen, in Richtung Timbuktu zu reisen, doch zuvor starb Overweg an Malaria.

 

Nach den Erforschungen am und um den Tschadsee reiste Barth, nun der einzige Forscher der Gruppe, ins Königreich Kanem-Bornu (um den Tschadsee). Dabei nahm er gezwungenermaßen an einem Feldzug teil, der in eine organisierte Sklavenjagd ausartete.

 

Auf dem letzten Stück seiner Reise entlang des Niger war Barth gezwungen, sich als türkischer Muslim auszugeben, der aus Ägypten gekommen war, um dem obersten Korangelehrten von Timbuktu, dem Kunta-Scheich Sidi Ahmad al-Baqqai, wertvolle Bücher aus Mekka zu bringen. Hintergrund für die Fremdenfeindlichkeit war die Erinnerung an die Fahrt des Schotten Mungo Park, der bei seiner Befahrung des Niger im Winter 1805–1806 aus Furcht vor einem Überfall auf jeden, der sich dem Ufer näherte, hatte schießen lassen.

 

Barth erreichte Timbuktu am 7. September 1853. Er fand die Stadt wohlhabender vor, als René-Auguste Caillié sie 25 Jahre zuvor beschrieben hatte. Insgesamt fand er jedoch die Beschreibungen von Caillié als zutreffend. Sechs Monate verbrachte der Wissenschaftler in der Stadt. Er sammelte völkerkundliches und geschichtliches Material, machte Sprachstudien und schrieb und schrieb. Am 8. April 1854 brach er zurück nach Kukawa auf. Von dort aus aus machte er sich endlich auf den Heimweg. In der heißesten Zeit des Jahres durchquerte er erneut die Sahara. Am 27. August 1855 – nach mehr als fünf Jahren – kam der Afrikaforscher völlig erschöpft wieder in Tripolis an. Heinrich Barth hatte 20000 Kilometer zurückgelegt, unbekannte Länder durchquert, viele weiße Flecken auf der Karte Afrikas gefüllt.

 

In London machte Heinrich Barth sich daran, sein penibel aufgezeichnetes Material auf Englisch und Deutsch herauszugeben. Seine „Reisen und Entdeckungen in Nord- und Zentral-Afrika“ erschienen in fünf Bänden. Sie gehören bis heute zu den wichtigsten Quellen der europäischen Afrikaforschung. Barths Hauptverdienst war es jedoch, als erster Europäer afrikanische Kulturen umfassend und ohne Vorurteile beschrieben zu haben.

 

Im Jahr 1863 trat Barth in Berlin eine Professur für Geographie an. Er nahm seine Forschungen über die Mittelmeerländer wieder auf, reiste auf den Balkan und nach Kleinasien. Im Jahre 1865 starb Heinrich Barth an einem Magendurchbruch, möglicherweise die Spätfolge einer Schussverletzung, die er auf seiner Mittelmeerreise 1847 in Libyen erlitten hatte.

 

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