Verbreitung

 

Das Volk der Mandinka ist eine Ethnie Westafrikas, deren Angehörige sich als genetische oder kulturelle Nachkommen des frühgeschichtlichen Königreiches Mali definieren, das den Transsaharahandel vom Magreb nach Westafrika kontrollierte. Im frühen 13. Jahrhundert wurde es von Sundiata Keita angeführt. Im gleichen Jahrhundert verbreiteten sich die Mandinka, ausgehend von der Region, die heute Mali ist, in einem großen Reich. Ein späterer Staat der Mandinka war Kaabu.

 

Die Mandinka leben heute überwiegend in Gambia (etwa 590.000) und Senegal (etwa 667.000). Wichtige Bevölkerungsgruppen der Mandinka leben zudem in Guinea-Bissau (etwa 174.000) und Ghana (etwa 110.000).

 

Auch in vielen Ländern im westlichen Afrika, wie Mauretanien (etwa 9.300), Benin (etwa 7.000), Burkina Faso, Elfenbeinküste, Liberia, Mali und Sierra Leone findet man kleinere Gruppen dieser Ethnie.

 

 

Geschichte

 

Mit Beginn des Niedergangs des Mali-Imperiums im 16. Jahrhundert gewann Kaabu nach und nach immer mehr Unabhängigkeit. In seiner Blütezeit bestand Kaabu aus 12 Provinzen und entwickelte sich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts weiter. Es gewann die Herrschaft über die kleineren senegambianischen Königtümer. Benachbarte Völker, wie die Baïnounk und die Balanta wurden unterworfen. 1840 gab es auf dem Gebiet von Kaabu 20 Königreiche. Im 19. Jahrhundert begann aber auch der Niedergang des Kaabu-Reiches. Im Zeitraum von 1840 bis 1901 waren die Völker der Casamance im permanenten Kriegszustand. Anfang des 19. Jahrhunderts befanden sich mächtige Fula-Königreiche im Krieg mit einheimischen Ethnien. Die muslimischen Fula-Königreiche Futa Toro, Bundu und Futa Jalon hatten sich im Kampf gegen die Heiden zusammengeschlossen. Dörfer der Baïnounk, wurden während des jihads im 19. Jahrhundert von den Muslim-Kriegern weitgehend vernichtet. Ihre Könige wurden verjagt oder getötet.

 

Das Ende der Kaabu-Herrschaft läutete 1865 die Schlacht von Kansalaa ein. Die Fula-Krieger unter Almamy Oumarou griffen Kansalaa an. Jankee Waali und seine Krieger, die ñancóo, wurden vernichtend geschlagen. Um nicht Sklaven der Fula zu werden, begingen die Frauen kollektiven Selbstmord. Endgültig fiel Kaaabu 1879 unter den wiederholten Überfällen der Fula. Die verbliebenen Bewohner von Kaabu verstreuten sich in Nachbarregionen, der Haute Casamance und in das Gambia-Flusstal.

 

Mit der Verbreitung des Islam im 19. Jahrhundert wurden die Königreiche der Mandinka also von Muslim-Kriegern zerstört. Die Abwesenheit eines zentralistischen Königs bescherte den Mandinka-Dörfer relative Selbständigkeit.

 

 

 

Wirtschaft

 

Mandinka-Jungen üben Feldarbeit aus, junge Mandinka-Frauen sind beschäftigt mit Kochen, Wäsche waschen und mit der Beschäftigung mit ihren Kleinkindern. In der Regenzeit sind sie für den Reisanbau zuständig. Die Männer arbeiten hingegen auf den Hirse-und Erdnussfeldern außerhalb des Dorfes. Fleisch gibt es nur zu besonderen Gelegenheiten als Mahlzeit. Die Mandinka fischen aus dem Casamance-Fluss. Die effektivste Art des Fischens wird von einer Gruppe von ca. 20 Männern ausgeführt, die einen Kreis bilden und langsam ins Zentrum waten, wo die Fische dann mit Handnetzen aus dem Wasser herausgehoben werden. Weitere Methoden sind, ein Netz mit einem geschickten Wurf von einer Piroge aus ins Wasser zu schleudern oder Fische vom Ufer aus mit dem Speer zu harpunieren.

 

 

Die Mandinka sind eine Agrargesellschaft und sind für eine erfolgreiche Ernte stark abhängig von ausreichenden Niederschlägen in der Regenzeit von Juni bis September.

 

Es gibt 5 Feldfruchtsorten: Reis, Hirse, Erdnüsse, Mais und digitaria, eine heimisches Grasart. Reis wird ausschließlich von Frauen angebaut und ist die Hauptnahrungsquelle der Mandinka. Die Männer bauen Hirse und Erdnüsse an.

 

 

Das Kastensystem

 

Bei den Mandinka gibt es drei Hauptkasten. Die Handwerksberufe unterteilen sich ebenfalls in drei Unterkasten.

 

 

 

- súlaa „Noble, freier Mensch“

 

- ñamáaloo „Handwerker und Künstler“

 

- jalóo „Griot“

 

- numóo „Schmied“

 

- fárába„Schuhmacher, Lederhandwerker“

 

- joŋSklave, unfreier Mensch”

 

 

 

Das Kastensystem impliziert eine gewisse Rangordnung. Die ‚Noblen‘ sehen sich an der Spitze der Gesellschaftshierarchie, sie haben eine Arbeitgeber/Arbeitnehmer-Beziehung zu den Handwerkern. Die ‚Unfreien‘ stehen in der Hierarchie ganz unten. Die Mandinka benennen öffentlich kaum ihre Dorfmitglieder, die zur Kaste der ‚Unfreien‘ gehören. Heutzutage besitzen aber auch die ‚Unfreien‘ eigenes Land, das sie kultivieren. Sie können somit erheblichen Wohlstand haben. Die Leibeigenschaft zu den ‚Noblen‘ besteht in der Praxis nicht mehr. Die Übernahme des Islam durch die Mandinka hat die Kastenhierarchie weitgehend aufgelöst.

 

Innerhalb der Handwerker-Kaste gilt der Schmied als der wichtigste Beruf. Sein Status kann höher sein als der des Dorfältesten oder es Imam. Er ist oftmals auch der Beschneider der Jungen bei der Zirkumzision.

 

 

 

Die Klans

 

Jeder Mandinka, unabhängig davon, ob er männlich oder weiblich ist, ist Mitglied eines Klans, dessen Namen er trägt. Jeder Klan beruft sich auf einen gemeinsamen Urahnen. Zu jedem Klan gehört bei den Mandinka ein Totemtier. Die Kamara haben als Totemtier den Waran (káanaa), die Sanyan den Kronenkranich (kumare), die Dari die Pythonschlange (míníyaŋo) und die Dramé die Speikobra (bíidaa). Zwischen den Klans und ihrem Totemtier besteht eine besondere Verbindung. Klanmitglieder dürfen ihr Totemtier nicht berühren, schon gar nicht töten oder essen.

 

 

 

Die Altersklassen

 

Altersklassen organisieren Gruppen von Menschen. Die Altersklassen der Mandinka bilden Arbeitsgruppen. In jedem Dorf gibt es eine männliche und eine weibliche Altersklassen-Linie. Die Mitglieder einer Altersklasse bezeichnen sich untereinander als Alters-Kameraden (fúlao), abgeleitet vom Wort für „zwei“ (fula). Ungefähr alle fünf Jahre wird eine neue Altersklasse ins Leben gerufen. Die bestehenden Altersklassen rücken dann eine Stufe nach oben. Jede Altersklassen-Linie, männlich oder weiblich, besteht aus bis zu 20 aufsteigenden Altersklassen. In die erste Altersklasse treten Jungen und Mädchen im Alter von ungefähr 5 Jahren ein. Ab ungefähr 50 Jahren treten Männer und Frauen nicht mehr als Altersklassen in Erscheinung. Die Altersklassen begleiten Männer und Frauen also fast das gesamte Leben.

 

Wozu dienen die Altersklassen? In erster Linie sind sie soziale Klubs. Man trifft sich mindestens einmal im Monat und tauscht Neuigkeiten im Dorf aus. Ein Landwirt kann männliche Altersklassen für landwirtschaftliche Arbeiten anfordern. Altersklassen jüngerer Frauen spielen eine wichtige Rolle bei dem Anbau von Reis.

 

Die bis zu 20 Altersklassen werden nach Status in drei Gruppen aufgeteilt: Altersklassen, deren Mitglieder noch nicht die Initiationsprozedur mitgemach haben, Altersklassen, die bereits an der Initiation teilgenommen haben und die „Alten“. Die Altersklassen der männlichen „Alten“ haben das Recht, nahe der Moschee zu sitzen oder an rituellen Versammlungen teilzunehmen.

 

 

 

 

Religion

 

Die Mandinka vermischen den Glauben an Hexerei mit der islamischen Glaubenslehre. Das Zentrum ihres Glaubens an Hexerei bilden menschenfressende Hexen (bwa), Seher

 

(kumfanute) oder die Dschinnen (jinno). In der Mythologie der Mandinka hatte eine Hexe vom Blut des Propheten Mohammed getrunken, weshalb alle Hexen von ihm verflucht wurden.

 

In der Gesellschaft der Mandinka spielt der Marabout (móoroo) eine wichtige Rolle als Heiler und als religiöser Ratgeber. Der Marabout verfügt häufig über besondere Fähigkeiten. Er kann die Zukunft vorhersehen, Zeichen in der Natur deuten und Hexen erkennen, die sich in andere Lebewesen transformiert haben. Häufig kennt er sich gut mit Heilpflanzen aus. Er stellt beschützende Amulette (grisgris) her.

 

Ein Ausdruck der Zugehörigkeit zum Islam bildet die Pilgerfahrt nach Mekka. Jedes Jahr gibt es mehrere wichtige islamische Ereignisse. Das wichtigste ist der Ramadan mit einem vierwöchigen rituellen Fasten. Ein anderes bedeutendes Ereignis ist Tabaski, das häufig im Dezember oder Januar stattfindet und dessen Höhepunkt das rituelle Schächten eines Hammels ist.

 

Die islamisierten Mandinka glauben an ein Leben nach dem Tod. Der Leichnam wird kurz nach dem Tode rituell gewaschen. Der Körper wird in ein weißes Leichentuch gehüllt und kurze Zeit später begraben. Dabei wird er auf die Seite gelegt, mit dem Gesicht ostwärts gerichtet und die Füße gen Norden. Das Grab wird mit einem Holzzaun gegen Tiere und Hexen geschützt.

 

Gegen Hexerei spielen bei den Mandinka die Dschinnen eine wichtige Rolle. Sie leben zusammen mit Geistern und werden von einem König geführt.

 

Während der Initiationszeremonien versuchen die Hexen die Seelen der Initiierten zu fressen, was dazu führt, dass bei diesen nur der tote Körper ohne die Seele zurückbleibt. Die Wächter der Jugendlichen während der Initiation sind bei den Mandinka die kaŋkuraŋos und die faŋbondis.

 

Ein kaŋkuraŋo ist ein Dschinn, dessen gesamter Körper mit der blutroten Rinde des fara-Baumes bedeckt ist. Der kaŋkuraŋo muss gerufen werden, er erscheint niemals aus eigenem Antrieb. Gerufen wird er vom Dorfältesten, dem Alikáalo oder dem Imam. Wenn das Dorf den kaŋkuraŋo für die Zirkumzision benötigen, gehen die Männer in den Wald, wobei sie Wasser, ein Ei und eine rote Kolanuss mitnehmen. Im Wald angekommen, wählen sie einen großen Termitenhügel aus, über den sie das mitgebrachte Wasser ausgießen. Sie legen dann das Ei und die Kolanuss darauf. Zum Schluss legen sie einen kaŋkuraŋo-Lendenschurz darüber und entfernen sich. Nach Aussage der Mandinka sieht man einen Augenblick später Rauch aus dem Termitenhügel aufsteigen und der kaŋkuraŋo erhebt sich in der Form eines großen Wirbelwindes. Er schlägt die beiden Macheten, die er bei sich hat, gegeneinander. Zusammen mit den Männern macht sich der kaŋkuraŋo auf den Weg zu den Novizen, um sie vor den Hexen zu beschützen. Diese tötet er, sobald sie auch nur in die Nähe des Initiationsortes kommen. Wenn er nach der Initiation nicht mehr benötigt wird, kehrt der kaŋkuraŋo in den Wald zurück. Er verschwindet wieder in seiner unterirdischen Behausung und lässt nur seinen Lendenschurz an einem Baum zurück. Obwohl in erster Linie ein Maskenwesen der Mandinka, findet man den kaŋkuraŋo auch bei Initiationsfesten der Diola und der Balanta.

 

Einige Dschinnen können sich zu faŋbondis entwickeln. Der faŋbondi ist der König der kaŋkuraŋos. Er kommtals Wind angeflogen, ist schneller als jedes andere Wesen. Er ist tödlich für Hexen, beschützt aber auch Novizen während der Initiationszeremonie. Er tötet jeden, der sich ihm entgegenstellt, nicht nur Hexen, sondern auch Menschen. kaŋkuraŋos und faŋbondis kommen auch in das Dorf hinein, im Gegensatz zum kaŋkuraŋo dürfen Menschen den faŋbondis jedoch nicht ansehen, wenn sie keine Prügel riskieren wollen.

 

Über den faŋbondi wird folgende Geschichte erzählt. Ein Distriktverwalter besuchte in den 1960er Jahren Karantaba, um die Beschwerde einer Frau zu untersuchen, die von dem faŋbondi geschlagen wurde, was bei ihr zu einer Fehlgeburt führte. Auf der Suche nach dem faŋbondi machte sich ein Trupp auf in den Wald. Sie fanden dort das Kostüm aus Rinde, nahmen es mit und warfen es dem Distriktverwalter vor die Füße. Daraufhin erwachte der faŋbondi zu Leben und prügelte den Distriktverwalter windelweich. Einige Zeit später schickte der Distriktverwalter eine Botschaft an alle umliegenden Alikáalo. Sollte der faŋbondi in Zukunft jemanden im Dorf töten, wünsche er, nicht darüber in Kenntnis gesetzt zu werden.

 

 

 

Herrschaft

 

Die Mandinka-Gesellschaft ist weitgehend egalitär. Es existiert ein System minimaler Herrschaft. Dem Dorf steht ein Alikáalo vor. Er ist ein Nachfahre der Gründerfamilie des Dorfes. Neben dem Alikáalo verfügt jedes Dorf über einen Imam, der von der Dorfgemeinschaft gewählt wird. Häufig bildet der Imam ein Gegengewicht zum Alikáalo. Wichtige Angelegenheiten des Dorfes trifft der Alikáalo immer unter Heranziehung der Alten des Dorfes. Mit Ihnen zusammen entscheidet er bei Streitigkeiten, beispielsweise bei Diebstahl, Grundstücksstreitigkeiten oder Schäden, die freilaufende Kühe auf Anbauflächen verursachen. Die Hauptaufgabe des Imam ist es, für die Gläubigen in der Moschee die Gebete zu sprechen. Alikáalo und Imam regeln in erster Linie Angelegenheiten der Männer und haben für Frauen nur eine geringe Relevanz. Innerhalb der Frauengemeinschaft spielt die Zirkumzisionskönigin (Musomansa) eine wichtige Rolle. Diese wird von den Frauen des Dorfes gewählt. Ihr Einfluss basiert darauf, dass sie die Kontrolle über die Rituale der Frauen innehat. Ihre wichtigste rituelle Aufgabe liegt in der Einberufung und Überwachung der Zirkumzisionspraxis bei den Mädchen. Sie wird beim Tod eines Dorfmitgliedes konsultiert, da sie die Expertin für die rituelle Waschung von Toten ist. Die Frauen suchen sie auf, wenn sie Fragen zu Gesundheit, Heilpflanzen und zu allem, was die Kinder betriff, haben. Der Musomansa wird ebenfalls nachgesagt, über Kräfte zur Bekämpfung von Hexen zu verfügen.

 

 

 

 

Zirkumzision und Exzision

 

Die Zirkumzision bzw. Exzision (kúyaŋ) von Jungen und Mädchen ist das wichtigste gesellschaftliche Ritual bei den Mandinka. Die rituelle Entfernung der Vorhaut bei den Jungen und die Klitoris bei den Mädchen sind zentral für ihr Konzept der sozialen Beziehung zwischen Männern und Frauen.

 

Das Ritual der Beschneidung ist ein sehr wichtiger Eckpfeiler im Leben der Kinder. Von kleinster Jugend an schauen sie mit Neugierde und Furcht auf das geheime Ritual des kúyaŋ. Ohne die Teilnahme an diesem Ritual erhalten sie nicht den Status eines Erwachsenen und können später nicht heiraten. Heutzutage heiraten Mädchen ca. drei bis fünf Jahre nach der Exzision, bei den Jungen sind es zehn Jahre oder mehr nach der Zirkumzision.

 

Die Zirkumzision der Jungen findet ungefähr alle fünf Jahre, nach der Erntezeit bzw. in den Schulferien, statt. Das Alter der Novizen liegt zwischen sechs bis dreizehn Jahren. An der Zirkumzision nimmt neben dem Jungen der Dorfälteste - der Alikáalo - und der Beschneider teil. In manchen Dörfern sind auch die Eltern des Jungen anwesend. Der Beschneider ist oftmals der Schmied des Dorfes. Der Tag der Zirkumzision beginnt für den jungen Novizen bei Morgenanbruch. Auf den Schultern eines älteren Jungen wird er zum Ort der Beschneidung gebracht. Der Junge wird aufgefordert, sich mit gespreizten Beinen an den Rand eines Erdloches zu setzen. Nach dem Eingriff wird die Vorhaut vergraben, damit sie nicht von Hexen gefunden werden kann. Gegen Mittag wird von den Hütern der Kinder und den Alten des Dorfes unter einem heiligen Baum eine Hütte errichtet. Danach wird der kaŋkuraŋo an diesen Ort geführt, wo er den Bau der Hütte beaufsichtigt. Am Abend betreten die Novizen die Hütte. Für sie beginnt nun eine mehrwöchige Zeit der Abgeschiedenheit in der Hütte. In dieser Zeit tragen sie weiße Kleidung mit weißer Kapuze und sie tragen Amulette zum Schutz vor Hexen. In der Zeit der Abgeschiedenheit lernen sie die Werte der Dorfgemeinschaft und werden auf das Erwachsenwerden und die Ehe vorbereitet.

 

Die Zirkumzision der Mädchen hat einen vergleichbaren Ablauf. Allerdings findet diese alle zwei bis drei Jahre statt. Sie werden ebenfalls von Ihren Hütern - älteren Mädchen - auf den Schultern zum Platz der Beschneidung getragen. Diese Art der Fortbewegung soll bei dem Mädchen die Erinnerung an die Zeit wachrufen, als sie als Kleinkind von Ihrer Mutter auf dem Rücken getragen wurde und soll die enge Verbundenheit zwischen jüngerer und älterer Schwester symbolisieren. Die Novizin trägt bei der Zirkumzision einen dunkelblauen Rock. Ihre Augen sind mit einem Schal verbunden, der um ihren Kopf gewickelt wurde. Die Klitorisdektomie führt eine ältere Beschneiderin oder die Zirkumzisionskönigin selbst durch. Nacheinander setzen sich die Mädchen an den Rand eines Erdloches, wo der Eingriff durchgeführt wird. Danach verbringen die Novizinnen zehn bis fünfzehn Tage im Haus der Zirkumzisionskönigin. In dieser Zeit leben die Novizinnen zusammen mit ihren Hüterinnen und lernen ebenfalls die Werte der Dorfgemeinschaft. Es entwickelt sich eine enge Beziehung zwischen den Novizinnen und der Zirkumzisions-Königin.

 

Heutzutage findet die Zirkumzision der Jungen in der Regel in Hospitälern und Kliniken statt, während sie bei den Mädchen im Verborgenen durchgeführt wird, da die Beschneidung von Mädchen staatlicherseits verboten ist.

 

 

 

Hochzeit

 

Der Prozess der Vermählung von Mann und Frau ist ein langwieriger Prozess bei den Mandinka. Viele Mädchen werden wenige Stunden nach ihrer Geburt verlobt. Die Tante, genauer die Schwester des Vaters des Kindes, bindet eine Schnur um das Handgelenk des Kindes, um das Mädchen damit für den eigenen Sohn als spätere Ehepartnerin zu beanspruchen. Diese Verlobung ist für das Mädchen bindend; es kann die Verlobung oftmals nur mit dem Einverständnis ihres „Verlobten“ lösen. Zwar hat sich diese rigorose Praxis in den letzten Jahrzehnten abgemildert, aber noch immer können die beiden Familien es dem Mädchen außerordentlich schwierig machen sich mit einem anderen Partner zu vermählen, ohne vorher die Einwilligung des „Verlobten“ eingeholt zu haben.

 

Die matrilineare Kreuzkusinenhochzeit wird von den Mandinka als Goldhochzeit(sanawuyaa ,sáno heißt ‚Gold‘ auf Mandinka) bezeichnet. Sie stärkt ebenfalls Allianzen zwischen Klans. Beispiele für Allianzen durch sanawuyaa sind die Klanpaare Manjan/ Dramé oder Jeta/ Dramé. Beide Klans waren einstmals durch gemeinsame Totemtiere miteinander verbunden. Diese Totembeziehung wurde später abgelöst durch eine Scherzverwandtschaft beider Klans.

 

 

 

Wenn das Mädchen nicht versprochen ist und ein junger Mann das Mädchen heiraten möchte, schickt dessen Familie einen Heiratsvermittler, den silatio, zur Familie des Mädchens. Dieser übergibt im Namen der Familie des jungen Mannes als Zeichen des Respekts einen Geldbetrag zusammen mit Kolanüssen und anderen Geschenken. Wenn die Familie, einschließlich Schwester des Vaters des Mädchens, die Verbindung akzeptiert, gilt die Vermählung als besiegelt. Das Mädchen darf nun die Nacht im Haus ihres Mannes verbringen, kehrt aber immer wieder ins elterliche Gehöft zurück. Die zweite und letzte Brautgabe wird üblicherweise innerhalb eines Jahres an die Familie der Braut übergeben. Nach drei bis sieben Jahren fragt der Ehemann des Mädchens in der Regel formal an, ob seine Frau nun nicht endgültig in seinen Haushalt übersiedeln kann. Begleitet wird diese Anfrage mit Geschenken an die Eltern seiner Ehefrau.

 

Die Höhe der Brautgabe hängt vom sozialen Status der beiden Familien ab. Sie ist niedriger bei einer kreuzverwandten Kusine. Sie ist höher, wenn Mann und Frau aus unterschiedlichen Dörfern stammen.

 

Die Hauptaufgabe verheirateter Frauen ist es für Nachwuchs zu sorgen. Es kommt jedoch vor, dass Frauen mehrere „Sternenkinder“ hintereinander gebären. Diese Frauen (dímbáajáasaa, was soviel wie ‚Harlekin-Mutter heißt) schließen sich in einer Gruppe zusammen. Sie tragen bunte, absurde Kleidung und tanzen in diesen Kostümen auf Dorffesten. Sie nehmen auch permanent neue Klannamen an. Durch diesen Auftritt hoffen sie, dass der Fluch von Ihnen genommen wird und sie in Zukunft lebensfähige Kinder gebären können.

 

Die Mandinka erlauben die Scheidung und eine Wiedervermählung der Eheleute. Witwen werden vererbt an den leiblichen Bruder des Verstorbenen (Levirat).

 

Wie auch andere islamische Gesellschaften praktizieren die Mandinka Polygamie. Sofern sie die finanziellen Mittel haben, können Männer bis zu vier Frauen heiraten.

 

Der Islam hat die Institution der „Scheinheirat“ alter Personen gefördert. Einer Mandinka-Witwe ist es erlaubt, einen fiktiven Ehemann zu nehmen, um zum Zeitpunkt des Todes verheiratet zu sein, wie es der Islam fordert.

 

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