Die Malinké besiedeln weite Regionen im Senegal, in Mali und Guinea, in der Côte d’Ivoire und in Burkina Faso.

 

 

In Europa wurden die Malinké insbesondere auch durch die Blüte ihres großen Königreichs Mali im 13. –15. Jahrhundert bekannt, dessen Reichtum und Prunk legendär war und von arabischen Reisenden in Dokumenten beschrieben wurde. 1324 reiste der damalige König von Mali, Mansa Musa, von Mali nach Mekka und hielt Zwischenstation in Kairo. Er verschenkte dabei so viel Gold, dass nach damaligen Quellen der Kurs des Goldes auf die Dauer von 12 Jahren auf die Hälfte sank. Das Königreich von Mali, mit einer Fläche von rund 1 Million km², wies zahlreiche Ministerien auf mit weitreichenden Entwicklungsplänen. Mansa Mussa ließ seine Agrarminister Experimente für verbesserte Reissorten auf Versuchsfeldern unternehmen. Er holte nordafrikanische Architekten ins Land, um die lokale Architektur zu verbessern, woraus als Mischkultur die sogenannte „sudanesische Architektur“ entstand (z. B. ersichtlich anhand der Moschee von Djenné in Mali, dem größten Lehmbauwerk der Welt).

 

 

Musik

 

Die Malinké sind weltweit berühmt für ihre Musik, welche stark von unterschiedlichen Trommeln Gebrauch macht und sehr rhythmusstark ist. Insbesondere die Djembé ist zentraler Bestandteil der Malinké-Musik, aber auch die Basstrommeln Dununba, Sangban und Kenkeni. In der Regel werden drei Basstrommeln zusammen mit drei Djembés gespielt, wobei die Basstrommeln einen 12/8 bzw. 16/8-Takt spielen. Die Begleitung der Trommeln erfolgt durch Balafon, Querflöten und Rasseln, dazu kommt häufig Gesang (von einem Solisten und zwei Begleitstimmen) und Tanz.

 

 

Soziale Organisation

 

Unter dem Islam hat sich die soziale Organisation der Familie von einer Matrilinearität hin zur Patrilinearität entwickelt. Die Polygamie ist weit verbreitet. Es gibt drei Gesellschaftsschichten.

 

    • Der Adelsstand, der aus der Familie der Keïta, Herrscher von Mali, hervorgegangen ist und deren Mitglieder als tontigi bezeichnet werden ebenso wie die von der Landwirtschaft lebenden Freien Menschen.

    • Die Kastenmitglieder:

 

Schmiede (numuw),

 

Lederverarbeiter (siyakiw),

 

Griots (jeliw)

 

Herolde (finaw)

 

    • Ehemalige Gefangene bzw. Sklaven, die als jonw bezeichnet werden, und die im 20. Jhdt. ihre Freiheit erlangten.

 

 

Die Kastenmitglieder bilden die geringwertigeren bzw. unreinen Clans. Die Schmiede besitzen das religiöse Wissen, sie sind die Eingeweihten in der Gesellschaft der Malinké. Die Zugehörigkeit zu einer dieser Gruppen wird an die Nachkommen weitervererbt. Man wird als Freier Mensch oder als Kastenmitglied geboren und man bleibt es dann lebenslang.

 

 

Wirtschaft

 

Die heutigen Malinké leben primär von der Landwirtschaft. Es wird hauptsächlich Hirse angebaut, darüber hinaus wird in kleinem Umfang Viehzucht betrieben, jedoch vorwiegend zum Handeln und aus Prestigegründen. Die Häuser der Malinké sind die typischen Rundhäuser der Region, strohgedeckt und in kleinen Dörfern mit Palisadenzaun gruppiert.

 

Die Handwerker der Kasten kultivieren gleichzeitig ihren Boden. Die Schmiede und die Schmuckhersteller sind die numu, ihre Frauen sind die Töpferinnen. Die Weber kommen ebenfalls aus der Volksgruppe der Fula.

 

 

Die Altersklassen

 

Die Altersklassen, die karew, verfolgen einen dreifachen Zweck:

 

 

    • sie organisieren die Dorfgemeinschaft in hierarchisierte Altersgruppe, was es vereinfacht, die soziale Stellung der Mitglieder einzuschätzen.

    • sie stellen die Betreuung, Erziehung und Ausbildung der Jugendlichen beiderlei Geschlechts in Hinsicht auf die Werte der dörflichen Gemeinschaft sicher.

    • sie schaffen und erhalten einen permanenten Wettbewerb auf allen Gebieten des sozialen Lebens innerhalb und außerhalb der Altersgruppen, ebenso wie zu gleichen Altersklassen benachbarter Dörfer.

 

 

Es werden fünf Altersklassen unterschieden.

 

 

    • dennya oder die kleine Kindheit (0 bis ca. 3 Jahre),

    • denmisènnya oder die große Kindheit (3 bis ca. 12 Jahre),

    • balukuya oder die Jugend (12 bis ca. 25 Jahre),

    • makôrôya das Erwachsenensein (25 bis ca. 60 Jahre),

    • makôrôbaya oder das Alter (ab 60 Jahre)

 

 

Jede Altersklassen-Kategorie bezeichnet durch seinen Namen die physische und soziale Reife ihrer Mitglieder. Die Einstellung der Familie und des Dorfes gegenüber dem Jungen oder Mädchen wird bestimmt durch die Zugehörigkeit zu einer dieser Kategorien.

 

 

Dennya oder die kleine Kindheit (0 bis ca. 3 Jahre)

 

In der Woche nach der Geburt bleibt die Mutter mit dem Kind innerhalb der Hütte, bis das Kind seinen tôgô, den Vornamen, bekommen hat. Der Verbleib in der Hütte soll das Kind vor unheilvollen Einflüssen von Außen schützen. Im Zeitraum vor der Namensgebung wird das Kind vorübergehend als cényènè, „neuer Mann“ bezeichnet, wenn es sich um einen Jungen handelt, und als musonyène „neue Frau“, wenn es ein Mädchen ist. Solange das Kind noch keinen Namen hat, ist es dem unheilvollen Einfluss von Hexen geschützt. Erst mit dem Bekanntwerden des Namens können Hexen, Zauberer, Marabuts und Heiler einen Einfluss auf das Kind ausüben.

 

 

Denmisènnya oder die große Kindheit (3 bis ca. 12 Jahre)

 

Diese Zeitperiode ist charakterisiert durch:

 

 

    • eine Unterweisung in moralisch korrektes Verhalten

    • eine Hinführung zu kollektiven Arbeiten

    • eine Vermittlung der Wichtigkeit eines Zeitvertreibs mit Alterskameraden bzw. Alterskameradinnen

 

 

 

Dem Kind wird respektvolles Verhalten gegenüber den Älteren beigebracht. So hat es beispielsweise jedes ältere Familienmitglied am Morgen respektvoll zu begrüßen. Bei einigen Jungen und Mädchen finden in dieser Altersklasse bereits die Beschneidungen statt.

 

 

Balukuya oder die Jugend (12 bis ca. 25 Jahre)

 

Diese Kategorie deckt den Zeitraum der Jugend und einen Teil des Erwachsenenseins ab. In dieser Altersklasse finden für die meisten Jugendlichen die Zirkumzision und die Exzision statt. Die balukuw, den Jugendlichen beiderlei Geschlechts, werden in dieser Altersklasse geschlechtsreif, bei den Mädchen bildet sich der Busen heraus und sie haben ihre erste Menstruation. Bei den Jungen setzt die Ejakulationsfähigkeit ein. Die körperlichen Veränderungen führen zu Verhaltensänderungen, die sich beispielsweise in einer intensiveren Körperpflege zeigt oder dadurch, dass Jungen und Mädchen anfangen Paare zu bilden. Die jungen Männer suchen ihre Ehefrauen in dieser Altersgruppe aus.

 

Für die jungen Männer bedeutet diese Zeit eine harte körperliche Arbeit. Sie verleihen ihre Arbeitskraft, um im Gegenzug Geld zu bekommen, von dem sie sich Kleidung, Schuhe oder z.B. ein Fahrrad kaufen. Die Jugendlichen beiderlei Geschlechts nehmen nun verstärkt am ökonomischen, sozialen, politischen und kulturellen Leben ihres Dorfes teil. Alle Jugendlichen zusammen formen die „Jugend“ eines Dorfes, um gegenüber den Erwachsenen ihre Interessen zu vertreten.

 

 

Makôrôya das Erwachsenensein (25 bis ca. 60 Jahre)

 

Erwachsensein bedeutet, verheiratet zu sein und Kinder zu bekommen. Ein Charakteristikum dieser Altersgruppe ist auch die häufige Verwendung von Sprichwörtern und Lebensweisheiten gegenüber Gleichaltrigen oder Jugendlichen, die für den Angesprochenen eine belehrende Wirkung haben sollen. In dieser Altersklasse haben die Mitglieder als Vorbilder zu agieren. Fehlverhalten, wie Diebstahl, Lüge, Faulheit etc., wiegt bei ihnen schwerer als bei Jugendlichen.

 

 

Makôrôbaya oder das Alter (ab 60 Jahre)

 

Ab einer Altersschwelle von 60 Jahren gelten sie als die Alten des Dorfes. In diesem Alter nehmen sie nicht mehr an produktiven Arbeiten teil. Wegen ihrer Lebenserfahrung sind sie nun die Weisen der Familie, des Clans und des Dorfes und die Ratgeber der Erwachsenen und Jugendlichen in allen Lebensfragen.

 

 

Die Initiation

 

Die Initiation markiert nicht nur den Übergang von einem sozialen Zustand in einen anderen, sondern auch die Beendigung eines Zeitabschnitts im Leben, dem des Jugendlichen, hin zu dem des verantwortungsvollen jungen Erwachsenen. Das Rituell beinhaltet die Selbstbefreiung von Lastern und Charakterschwächen und die Weiterbildung des Charakters ebenso wie das Erlernen sozialen Verhaltens und der Gebräuche und Gesetze, die das Leben eines Erwachsenen bestimmen.

 

 

Die Zirkumzision der Jungen

 

Zunächst werden zum Klang der Trommeln bei den Kandidaten die Kopfhaare abrasiert. Diese Zeremonie am Vorabend der Initiation symbolisiert den unmittelbar bevorstehenden Übergang der Jungen aus der biologischen Altersklasse der bilakorow in die soziale Altersklasse der cèbakorow, der jungen Erwachsenen. An dieser Zeremonie nehmen nur männliche Kandidaten teil, Mädchen und Frauen sind ausgeschlossen. Die Nacht verbringen die Kandidaten dann zusammen in der der Hütte des Dorfchefs. Diese Nacht verbringen die Jugendlichen, denen die bevorstehenden körperlichen Prüfungen des Folgetags bewusst sind, im Zustand innerer Angst und Not.

 

Während der Nacht werden die Trommeln gespielt. Tänzer und Tänzerinnen umkreisen die Trommler, die Frauen und jungen Mädchen klatschen zu den Trommeln rhythmisch in die Hände und singen Lieder. Der solisi ist ein lebhafter und lasziver Tanz, bei dem die Tänzer und Tänzerinnen zum Rhythmus der Trommeln fröhlich singen und bei dem der Schweiß in Strömen den Körpern herunterläuft. Durch den Lärm des Spektakels werden weitere Menschen aus umliegenden Dörfern angezogen, die an der Feier mit teilnehmen wollen. Die Mitglieder der weiblichen Altersklasse kare musow und die der korrespondierenden männlichen Altersklasse kare cèw führen beim Singen der Lieder und beim Tanz Scheinattacken gegeneinander aus. Dieses Fest zieht sich durch die ganze Nacht.

 

Früh am Morgen werden die Kandidaten zum Ort der Zirkumzision geführt, der sich im Busch außerhalb des Dorfes befindet. Dort im Gänsemarsch angekommen, wird den Kandidaten die Kleidung ausgezogen und sie werden in einer Reihe aufgestellt. Nun werden ihnen die letzten Ratschläge erteilt: „Habt keine Angst! Seid ruhig und ertragt es wie Männer!“ Trotzdem bleibt die Angst bei den Jugendlichen. Sie wissen, dass keiner unter ihnen dem körperlichen Schmerz entfliehen kann, den sie gleich zu ertragen haben. Der Beschneider - also der Schmied des Dorfes - begibt sich zum Ort des dankun, des Platzes der Beschneidung, und überprüft die Schärfe des Messers, wobei er gleichzeitig magische Handlungen zur Abwehr unheilvollen Einflüsse durchführt. Begonnen wird mit den Kindern der ehemaligen Sklaven (jonw), danach kommen die Kinder der Kaste der Schmiede, der Griots, und der Lederbearbeiter (nyamakalaw). Dem schließen sich die Kinder der niederen Malinké-Clans (judunyôkônw) an und zum Schluss sind die Kinder aus den Familienclan des Dorfgründers dran. Innerhalb dieser Kategorien werden die Jungen nach Alter aufgestellt, zunächst die Jüngeren, dann die Älteren.

 

Hinter jedem Kandidaten stehen mindestens drei Männern. Einer hält die Augen zu, die anderen ergreifen die Arme und Beine des Jungen. Wenn der Junge somit bewegungsunfähig ist, macht sich der Schmied daran die Vorhaut zu entfernen. Um abzuschätzen, wo er den Schnitt anzusetzen hat, ergreift er den Penis und schiebt die Vorhaut bis zur Eichel zurück. Sodann zieht er mit einem Ruck die Vorhaut zu sich hin und trennt sie schnell und geschickt ab, sodass der Kandidat nur einen kurzen Schmerz verspürt.

 

Während der Operationen erschallen die Trommeln in Entfernung von vielleicht einhundert Metern vom Ort der Operation entfernt. Das Trommeln hat den Zweck, die möglichen Angst-oder Schmerzensschreie der Jungen zu überdecken.

 

Am Ende der Operationen verkünden Gewehrschüsse, dass die Kandidaten die Prüfung mit Bravour erduldet haben. Boten machen sich auf ins Dorf, um den Eltern den Mut ihrer Kinder zu verkünden. Tanzend und singend feiern die Frauen den Mut der Jungen. Die nun folgende rituelle Feier (farifaribila) ist der Höhepunkt der Zeremonie.

 

Nach einer kurzen Ruhepause am Ort des Geschehens werden die beschnittenen Jungen von den Erwachsenen begleitet zurück ins Dorf geführt. Sie treten nun in das „Männerhaus“ bure ein, das am Vortag der Feier errichtet wurde, und verbringen dort eine längere Zeit der Genesung. Von den Alten des Dorfes, den kofaw, werden die Vorhäute der Jungen an einem geheimen Ort vergraben.

 

Die Zeit der Abgeschiedenheit der Beschnittenen dient der Heilung, dem Gespräch untereinander, der Bildung des Charakters und dem Schutz vor Hexen.

 

 

 

Die Exzision der Mädchen

 

 

 

In der traditionellen Gesellschaft der Malinké ertragen alle Mädchen – ohne Ausnahme – die Bewährungsprobe der Exzision. Früher wurde diese im Alter zwischen zwölf und zwanzig Jahren durchgeführt, heutzutage sind die Mädchen etwas jünger.

 

Die Frauen organisieren zusammen mit der Ehefrau des Schmieds - also der Töpferin - am Vorabend das Tanzfest (solisi). Am Vormittag des Tages, der dem Ereignis vorausgeht, werden die Mädchen in identischer Art und Weise frisiert. Die Nacht verbringen die Kandidatinnen bei einer alten Aufpasserin, der sèmaba. Die Tänzer und Tänzerinnen des Dorfes besuchen in der Nacht tanzend die Familie jeder einzelnen Teilnehmerin. Im Verlauf des solisi tanzen und singen die Frauen Loblieder auf die Mädchen, die am folgenden Morgen die körperliche Prüfung zu ertragen haben. Die Lieder begleiten die ganze Nacht hindurch die Trommeln und das rhythmische Händegeklatsche der Frauen. Im Verlauf dieser ersten Nacht in Abgeschiedenheit von der Familie fordern die alten Heilerinnen die zukünftig Initiierten auf, sich mit Wasser zu reinigen, das mit getrockneten und zerriebenen Wurzeln und Blättern von Heilkräutern vermischt wurde. Jede Kandidatin trägt in dieser Zeit ein Amulett, das die Mädchen vor unheilvollen Einflüssen während der Operation und danach vor Hexen schützen soll.

 

Für die Exzision wird üblicherweise ein Donnerstag in der Trockenzeit ausgewählt. Am frühen Morgen machen sich die Mädchen - begleitet von den alten Frauen des Dorfes - auf zum Ort der Operation (salijilikènè). Dort erwartet sie bereits die Beschneiderin (die Töpferin). Die Mädchen stellen sich entsprechend ihrer sozialen Rangordnung nebeneinander auf. Sie wissen, dass sie gleich große Schmerzen zu ertragen haben, wollen aber keine Schande über ihre Familien bringen, indem sie weinen oder schreien.

 

Am vorbereiteten Operationsplatz ziehen sich die Mädchen aus und stellen sich in vorbestimmter Reihenfolge vor der Beschneiderin auf. Die Anführerin der Mädchen kommt als Letzte an die Reihe. Wenn der Zeitpunkt der Beschneidung gekommen ist, werden die Mädchen nacheinander auf eine Steinplatte vor die Beschneiderin gesetzt. Das Mädchen lehnt sich gegen die Knie einer Frau, die ihre Arme festhält. Eine andere Frau hält dem Mädchen die Augen zu. Zwei weitere Frauen packen die Beine des Mädchens und ziehen sie auseinander, um der Beschneiderin die Operation zu erleichtern. Die Beschneiderin rezitiert geheime Zaubersprüche (kirisiw) vor der Klitoris, benetzt sie mit Speichel und reizt sie mit ihrer Fingerspitze. So stimuliert tritt die Klitoris hervor, woraufhin die Beschneiderin die Klitoris von oben nach unten mit einem schnellen Schnitt vollständig abtrennt. Die Mädchen werden daraufhin von der sèmaba, und den alten Frauen, die ihr assistieren, versorgt. An jeder einzelnen dieser Veranstaltungen nehmen mehrere Dutzend Mädchen teil.

 

Wie auch bei der Zirkumzision der Jungen wird auch hier das Ende durch Gewehrschüsse verkündet. Im nun folgenden Ritual des farifaribilatanzen die Mütter und besingen den Mut ihrer Töchter. Die Freudengesänge verkünden, dass die Mädchen vor der Beschneiderin weder geweint noch geschrien haben. Die Mütter sind glücklich, dass ihre Töchter nach dem Eingriff nun körperlich vollkommene Frauen sind. Die Wunde jeder Beschnittenen wird mit traditionellen Medikamenten versorgt und dann mit Baumwollwatte und einem Streifen Textilstoff verbunden. Aus Angst vor Hexen vergräbt die sèmabadie entfernten Klitorides aller Mädchen an einem geheimen Ort. Nachdem die Mädchen verbunden wurden, legt jedes von ihnen einen indigofarbenen Wickelrock (dankunbere) an, der von der Hüfte bis zu den Knien reicht. Dann bedecken sie den Kopf und die Brüste mit einen weißen Stück Stoff(kunnabidi).

 

Die Mädchen, die den Ort der Beschneidung, dem dankun, mit der Bekleidung (linpèn) Unbeschnittener betreten mussten, dürfen nun im Wickelrock der Beschnittenen, der ihren Aufstieg in den Stand der Erwachsenen symbolisiert, in das Frauenhaus eintreten. Im Verlauf ihres Aufenthaltes im Frauenhaus verlassen die Mädchen die Hütte niemals mit nackten Füßen, aus Furcht, dass sie von Hexen verhexten Staub in die Hütte tragen könnten. Wenn die Exzision in der Trockenzeit stattgefunden hat, kann der Aufenthalt in der Frauenhütte fünf bis sieben Wochen andauern. Im Verlauf der ersten vier Wochen werden die Mädchen täglich von den alten Heilerinnen außerhalb des Dorfes rituell gewaschen.

 

Wie auch bei anderen westafrikanischen Gesellschaften ist die Exzision eine obligatorische Praxis, ohne die eine junge Frau nicht geheiratet werden kann, da sie in diesem Zustand als bilakoro, als unrein, gilt.

 

Log In Registration