Die Diola sind eine ethnische Gruppe, die in der Basse Casamance, in Gambia und in Guinea-Bissau leben. In der Basse Casamance leben etwa eine Million Diola, die sich in die Untergruppen: Banjaal, Bayot, Ejamat, Fogny, Gusilay, Karon, Kasa, Kuwatay und Mlomp aufteilen.

 

Die Diola kennen keine Kasten, sie haben eine egalitäre Gesellschaftsform. Der Legende zufolge haben sie und die Seereer gemeinsame Vorfahren. Der gemeinsame Ursprung drückt sich durch eine Scherzverwandtschaft(gamos) aus.

 

 

Religion

 

Die traditionelle Religion der Diola ist der Animismus. Eine größere Minderheit der Diola bekennt sich zum Katholizismus, wenige zum Islam. Die Animisten unter den Diola glaubt an einen allumfassenden Schöpfer der Welt, an Emitai. Er bringt den Menschen Leben und Regen, er lässt Bäume und Pflanzen wachsen, er bringt die Früchte zum Reifen und er lässt die Vögel fliegen. Seine Macht bringt die Meereswellen zum Tosen und er kann einen Sturm schicken, der Bäume ausreißt. An einigen Orten offenbart sich die Macht Emitais mit besonderer Deutlichkeit. Diese Orte werden als heilig angesehen. Das können Teiche, Flüsse oder Waldstücke sein. In diesen Orten wohnen Geistwesen, die ukine.

 

Mit den Menschen spricht Emitai in Träumen und Visionen. Es ist das Privileg des Priester-Königs der Diola mit Emitai im direkten Kontakt zu stehen. Der Priester-König bekommt von Emitai Anweisungen, die allgemeinverbindlich für alle Diola sind.

 

 

Geist-Schreine

 

In der Vergangenheit hatte Emitai einige Menschen ausgewählt, denen er Instruktionen zum Bau von Geist-Schreinen (Fetische) gab und die Geistwesen beherbergen. Die Geist-Schreine (ukine) sind Mittler zwischen Emitai und den Menschen. So entstanden Schreine wiebukut, dem Initiations-Schrein für männliche Jugendliche oder Kasila, dem Regen-Schrein von Aliin Sitoé Diatta, der in Zeiten von Dürre gebraucht wird. Es gibt Schreine, die einen Menschen von einer schweren Krankheit heilen können. Der Ehugna-Schrein hilft bei Unfruchtbarkeit einer Frau, der Cabai-Schrein wird aufgesucht, um Beistand in einer kriegerischen Auseinandersetzung zu bekommen. Es gibt weitere Schreine für die erfolgreiche Palmweinernte, für das Fischen, das Schmieden, für den Getreideanbau oder selbst für eine geplante Reise. Jeder dieser Schreine wurde in Zeiten einer Krise geschaffen, nachdem Menschen Emitai angerufen hatten und dieser eine Person auswählte zur Schaffung eines neuen Schreines. So veranlasste Emitai die Schaffung einer große Anzahl weiterer Schreine, die bis heute jeweils für einen bestimmten Zweck verwendet werden. Jeder dieser Schreine ist mit einem Geistwesen verbunden, den Emitai mit Macht ausgestattet hat. Im Inneren beinhalten die Geist-Schreine rituelle Gegenstände, zu denen der Geist in Beziehung steht und die ihn in den Schrein locken sollen. Sie materialisieren sich in den Schreinen, sind für Nichteingeweihte allerdings unsichtbar. Um das Wohlwollen der Geistwesen zu erlangen, werden ihnen Opfer gebracht. Das kann Palmwein oder das Blut eines Opfertieres sein. Oftmals sind die mächtigsten Schreine nicht mehr als ein Loch im Boden, während weniger wichtige Schreine sehr aufwendig und kunstvoll hergestellt wurden. Die Kommunikation der „normalen“ Menschen mit den Geistwesen erfolgt mit der Hilfe von Fetisch-Priestern (amanjinau), die die Hüter des Schreines sind.

 

 

Fetisch-Priester

 

Die Fetisch-Priester sind Menschen, denen Emitai die Fähigkeit des „Sehens“ verliehen hat. Damit können diese Auserwählte Geister, Hexen und zukünftige Ereignisse sehen. Sie können durch Ihre Fähigkeit auch mit den Geistern kommunizieren. Ihre Fähigkeit vererbt sich von Vater zum Sohn oder von Mutter zu Tochter, sodass ihre Schreine im Familienbesitz bleiben. An den Schreinen beten die Gläubigen und tragen ihr Anliegen vor, nachdem sie dem Geist ein Opfer gebracht haben. Das ist üblicherweise Palmwein und in einigen Fällen auch ein Tieropfer. Während der Fetisch-Priester den Wein und gegebenenfalls das Blut des Tieres in eine Öffnung in den Geist-Schrein gießt, ruft er den Geist des Geist-Schreines an. Der Bittsteller trägt sein Anliegen vor, während der Geist von dem Wein und dem Blut trinkt. Der Bittsteller darf vor dem Schrein keine Unwahrheit von sich geben, der Geist würde ihn sonst möglicherweise töten. Nachdem das Anliegen vorgetragen wurde, entfernt sich der Bittsteller zusammen mit dem Fetisch-Priester. Der Geist verlässt den Schrein und trägt das Anliegen des Bittstellers Emitai vor, der dann entscheidet, ob er hilft.

 

 

In Zeiten größter Not hört Emitai die Gebete der Gemeinschaft aber auch direkt, ohne das Medium eines Geister-Schreines. Frauen führen während langanhaltender Trockenperioden Riten (nyakul emit) am Fruchtbarkeits-Schrein aus. Dort wenden sie sich direkt an Emitai, ohne einen Fetisch-Priester als Mittler einzuschalten. Andere Rituale werden von der Gemeinschaft im „Heiligen Wald“ durchgeführt.

 

 

Einige der Auserwählten, die Emitai mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet hatte, missbrauchen jedoch ihre Macht, um zu Wohlstand und Einfluss zu kommen. Sie werden keine Fetisch-Priester sondern Hexen (kusaye), die auch Menschen töten. Emitai duldet deren Treiben, sofern sie nur das Leben von Menschen nehmen, deren Zeit bereits abgelaufen ist. Einige töten aber auch Menschen, die von Emitai noch nicht dazu bestimmt sind zu sterben. Diese Hexer werden von Emitai nach dem Tod schwer bestraft. Die meisten Fetisch-Priester befolgten aber den Willen Emitais, dienten der Gemeinschaft und bekämpften die Hexen.

 

 

Das Fehlverhalten normaler Menschen bestraft Emitai schon zu Lebzeiten mit Krankheit, Tod oder sozialem Abstieg. Fehlverhalten von Gemeinschaften bestraft er mit Epidemien und langanhaltenden Trockenperioden.

 

 

Am Schrein befinden sich Knochen und Schädel von Opfertieren. Der Grund ist folgender: Immer, wenn dem Geist eines Schreines ein Opfer gebracht wird, bekommt der Geist das Blut, das Fleisch ist für ihn uninteressant. Das verbleibt beim Fetisch-Priester. Der zurückgelassene Knochen oder Schädel bedeutet so etwas wie ein Vertrag zwischen dem Bittenden und Geist. Deshalb dürfen die Knochen auch nicht entfernt werden.

 

 

Initiation

 

Bei den Diola existieren zwei Initiationszeremonien, die batchin und buhut heißen. Das batchin wird alle zwei Jahre für die ganz kleinen Kinder im Alter von ca. zwei Jahre organisiert. Es handelt sich um eine kurze Initiation, die nicht mit einer Zirkumzision einhergeht. Sie findet üblicherweise im April/Mai statt. Die Kinder werden am frühen Morgen in Heiligen Wald versammelt. Die erwachsenen Dorfmitglieder tanzen, essen und trinken Palmwein. Am Nachmittag ist die Zeremonie bereits beendet.

 

Die große Initiation, die buhut, ist hingegen ein großes Ereignis. Sie findet üblicherweise ca. alle 25 Jahre statt. Alle noch nicht beschnittenen Jungen und junge Männer nehmen daran teil. Der feierliche Einzug der Jungen und der jungen Männer in den Heiligen Wald wird begleitet durch Gesänge und durch Tanzen einer riesigen Menschenmenge. Der Aufenthalt im Heiligen Wald kann zwei Monate oder länger dauern. Während dieser Zeit haben die Jungen und Männer keinerlei Kontakt zu den Menschen im Dorf. In der Abgeschiedenheit des Heiligen Waldes werden die Jugendlichen körperlichen Prüfungen unterzogen und in moralischen und in religiösen Angelegenheiten geschult. Sie lernen geistige Lieder kennen und werden in die geheime Sprache der großen Trommel eingeführt. Sie erfahren die geheimen Riten ihrer animistischen Religion und die Gesetze des Heiligen Waldes. Sie erlernen und vertiefen die Regeln des sozialen Miteinanders und die moralischen Werte innerhalb der Gemeinschaft der Diola. Als Beweis ihrer Teilnahme bekommen sie das Zeichen des buhut in die Haut geschnitten. Als „neugeborene“ Menschen verlassen die Initiierten den Heiligen Wald wieder. Sie sind nun vollwertige Mitglieder der Gemeinschaft und können kollektive Verantwortung übernehmen. Nach dem Auszug der Initiierten aus dem Heiligen Wald findet im Dorf ein großes kollektives Fest statt. Als Beitrag zu diesem Fest opfern die Dorfmitglieder einen erheblichen Teil ihres Wohlstandes. Es werden Ochsen und Kühe geschlachtet und es werden große Mengen Palmwein getrunken.

 

 

Die Wächter

 

Der ngiri-ngiri der Diola wird auch als König des Waldes bezeichnet. Er befindet sich während der Initiation im dichten Wald in der Nähe der Jugendlichen. Als Dank für seinen Schutz wird dem ngiri-ngiri ein Tieropfer, eine Kuh, gebracht. Der ngiri-ngiri ist zwar für Menschen unsichtbar, sein Brüllen ist aber kilometerweit zu hören.

 

Neben dem ngiri-ngiri beschützen auch die Alten des Busches die Jugendlichen. Alle diese Geisterwesen töten Hexen, die die Seelen der Jugendlichen fressen wollen. Dabei kommen ngiri-ngiri und die Alten des Busches nie in die Dörfer, sie verbleiben in der Nähe des Heiligen Waldes, wo sich die Initiierten aufhalten.

 

Für die Diola sind die Wächter des Waldes außerordentlich wichtig, da sie die einzigen sind, die die Initiierten beschützen können. Die gewöhnlichen Dorfbewohner sind gegenüber Hexen machtlos. Weil Hexen nachtaktiv sind und sich tagsüber nicht zu erkennen geben, können sie von den anderen Dorfbewohnern auch nicht bekämpft werden.

 

Schützen können sich die Menschen gegen Attacken der Hexen nur mit kleinen Lederamuletten, den gris-gris. Wenn ein Mensch trotz seines gris-gris verhext wurde, muss dieser zu einem Heiler oder zu einer Heilerin gehen. Diese entfernen krankmachende Substanzen im Körper und gibt dem Betroffenen Kräuter mit, die dieser in Wasser aufkocht und trinkt. Ein Kräutertrank kann auch gegen Attacken der Hexen helfen.

 

 

 

Tod

 

Wenn ein Diola stirbt, teilt die Familie dieses durch das Klappern von Schellen mit. Bei diesen handelt es sich um eine Kopie der Hand- und Fußschellen, die die Sklaven zur Zeit der Sklaventransporte trugen. Diese Schellen sind bei den Diola auch heute noch das Symbol für den Verlust eines Familienmitgliedes. Die Verkündigung des Todes eines Dorfmitgliedes wird daraufhin von der sprechenden Trommel (bonbolong) übernommen. Ihr Trommelgeräusch ist kilometerweit zu hören und teilt durch den Rhythmus des Trommelns auch mit, ob es sich bei dem Verstorbenen um ein Kind, einen Erwachsenen oder um einen Alten handelt. Jedes Diola-Dorf besitzt so eine sprechende Trommel. Hierbei handelt es sich um einen ca. 80 cm langen Teil eines Baumstammes, der ausgehöhlt wurde und auf der Oberseite einen Schlitz hat.

 

Wenn ein gewöhnlicher Mensch eines natürlichen Todes stirbt, wird der Leichnam bis auf das Gesicht mit Stoff bedeckt. Von den Diola wird für besondere Ereignisse ein tiefblauer Stoff hergestellt, der dem Toten zusammen mit Reis für die Reise ins Totenreich mitgegeben wird. Begraben wird der Leichnam an einem Ort, die der Tote zu Lebzeiten bestimmt hatte oder den die Familie ausgewählt hatte. Oftmals ist es ein Ort in der Nähe des Hauses.

 

 

Wenn ein Mensch eines plötzlichen Todes stirbt oder es sich bei dem Toten um einen Weisen, um einen Fetisch-Priester oder gar um den König handelt, werden die Ahnen nach dem Grund des Todes befragt. Dazu wird eine Bahre mit drei querliegenden Holzstangen hergestellt. Die Leiche wird auf die Bahre gelegt. Sechs Fetisch-Priester nehmen jeweils ein Ende der Holzstange auf ihre Schulter. Ein lebendes Familienmitglied stellt den Ahnen Fragen, beispielsweise, ob der Verstorbene verhext wurde. Die Träger der Leiche werden von den Ahnen nach hinten gestoßen, wenn die Antwort auf die Frage „nein“ lautet, nach vorne bei „ja“. Wenn der Verstorbene seinen Tod selbst verschuldet hat, bei einem natürlichen Tod oder falls der Tote keine Auskunft geben will, dreht sich die Bahre mit der Leiche oder sie bewegt sich seitwärts.

 

 

Wenn ein König stirbt, sagt man, dass er „verloren ist“, da der Tod des Königs ein Sprachtabu darstellt. Alle Dorfbewohner rasieren sich ihre Haare ab. Der König wird er im Inneren eines Kapok-Baumes bestattet. Hierzu wird ein Teil des Baumes ausgehöhlt. Nur die königliche Familie darf an der Bestattung teilnehmen, Frauen sind ausgeschlossen. Nach der Bestattung wird die Öffnung im Baum verschlossen. Niemand außer der Familie und den Weisen kennt den Ort der Bestattung. Der königliche Geist-Schrein wird an den Sohn des Königs weitergegeben.

 

 

 

Nach dem Tod

 

Nach den Diola besteht ein Mensch aus einem vergänglichen Körper und immateriellen Seelen. Die Lebensseele verlässt den Körper im Moment des Todes und geht zu Emitai, die Traumseele (das Double) löst sich hingegen erst nach dem Begräbnis vom Leichnam. Sie versucht dann sich so schnell wie möglich vom Grab zu entfernen und kehrt danach niemals zum Ort des Leichnams zurück. Die Traumseelen manifestieren sich prinzipiell in der Nacht. Es obliegt Emitai zu entscheiden, was mit den Traumseelen geschieht. Dazu bewertet Emitai das moralische Verhalten des Verstorbenen zu Lebzeiten. Die Traumseele von Menschen, die tadellos gelebt haben, vereinigen sich mit den Ahnen (ahoeka). Ein Mensch, die sich schwerer Vergehen schuldig gemacht hat und diese dem Geistschrein nicht gestanden hatte, wird zu einem Phantom (ahoelra). Ein Verstorbener, der die moralischen Werte nur teilweise eingehalten hat, wird zu einem Reisenden (asandioume).

 

 

Diejenigen, die ein Leben nach Emitais Willen geführt haben, vereinen sich mit den Ahnen. Ihre Traumseelen dürfen in der Nähe des familiären Gehöftes weiterleben. Sie werden zum Medium zwischen den Lebenden und der spirituellen Welt. Ihren lebenden Nachkommen erscheinen Sie in Träumen, in denen sie diese vor Hexen warnen oder über zukünftige Ereignisse informieren. Einige besondere Menschen unter den Lebenden, üblicherweise Frauen, können sich in Trance versetzen und die Seele eines Ahnen annehmen. Der Ahne kann dann direkt zu den Menschen sprechen, um beispielweise mitzuteilen, wer für seinen Tod verantwortlich war, falls er eines unnatürlichen Todes gestorben war oder wenn sein Körper nach dem Tod nicht aufzufinden war. Wenn ein Ahne in die Gestalt eines Menschen fährt, bewegt dieser sich „unnatürlich“, er bewegt sich rückwärts, macht Sprungbewegungen.

 

Irgendwann darf die Traumseele eines ahoeka in den Körper eines Neugeborenen aus dem eigenen Klan fahren. Für einen Diola ist es demzufolge äußerst erstrebenswert, nach dem Tod zu einen ahoeka zu werden.

 

Die Traumseele wird nach dem Tod zu einem Phantom, wenn der Mensch zu Lebzeiten nicht nach Emitais Anweisungen gelebt hat. Sie entsteigt ihrem Grab einige Tage nach dem Tod und irrt umher. Die materialisierte Traumseele ist dazu verurteilt, alleine im Busch zu leben. Sie stinkt fürchterlich. Sie ist auf sich alleine gestellt und den Gefahren des Waldes ausgesetzt. Sie kann von Hyänen angegriffen werden, die ihnen Arme und Beine ausreißen und diese auffressen. Hieran können Phantome aber nicht sterben. Vielmehr wachsen ihnen neue Gliedmaßen nach und sie können dann erneut von wilden Tieren angefallen werden. Den Lebenden können die Phantome erhebliche Probleme bereiten. Es kommt vor, dass sie Haustiere stehlen, gerade wenn sie zu Lebzeiten Diebe gewesen waren. Ein Phantom kann aus reiner Boshaftigkeit auch Lebendige angreifen oder einen Pfad im Wald blockieren. Irgendwann sterben aber auch die Phantome und ihre Traumseelen wandern in die Körper von Tieren.

 

Die Reisenden werden weit weg vom eigenen Klan nach Housandioume geschickt. Hier halten sich die Traumseelen von Menschen auf, die nur teilweise nach dem Willen Emitais gelebt hatten.

 

 

Die Propheten

 

Seit dem Eintreffen der Franzosen in der Casamance gab es bei den Diola über 40 Propheten, die meisten von diesen waren Frauen. Sie entwickelten sich zu religiösen Führern. Aliin Sitoé Diatta und Djimilenekone Diatta gehörten zu diesen Propheten. Djimilenekone Diatta hatte eine Vision von Emitai während einer schrecklichen Hungerperiode. Durch diese Vision wurde er zum Bau eines weiteren Schreines veranlasst. Mit einer Hand voll Reis soll er an diesen Schrein ein bestimmtes Ritual ausgeführt haben und er bekam von Emitai so viel Reis, dass es für alle Bewohner des Dorfes ausreichte. Als er starb, sollen ihn Vögel zu Emitai getragen haben.

 

 

 

Totentiere

 

Die Diola glauben, dass Menschen durch ein mystisches Band mit Totemtieren verbunden sind. Nur Menschen mit besonderen Fähigkeiten können diese Totemtiere von normalen Tieren unterscheiden. Mensch und Totemtier werden gleichzeitig geboren und teilen die gleichen körperlichen und seelischen Empfindungen. Sie teilen eine gemeinsame Todesseele (yahl), die sich jeweils im Blut des Menschen und des Totemtieres befindet. Ein Mensch stirbt, wenn er die Todesseele beispielsweise durch eine schwere Krankheit verliert. Auch das Totemtier kann dann nicht weiter existieren. Nur ein Heiler ist in der Lage, die Todesseele in den Körper eines Menschen zurückzuführen.

 

Das Konzept von Totemtieren geht einher mit dem Entstehen neuen Lebens. Das Blut des Mannes, das mit dem Sperma übertragen wird und das Blut der Frau schaffen neues Leben, wobei dem Neugeborenen dabei auch die Todesseele eingehaucht wird. Die Seele ist aber teilbar, Teile der Seele fließen in verschiedene Totemtiere. Ein Teil der Todesseele verbindet sich mit Totemtiere des väterlichen Klans, ein Teil mit denen des mütterlichen Klans. Diese Verbindung der Totemtiere führt zu einer festen Einbindung des Neugeborenen in den mütterlichen und den väterlichen Klan. Die Verbindung von Menschen über gemeinsame Totentiere geht aber auch mit Verpflichtungen einher. Zwei Menschen mit dem gleichen Totemtier müssen sich gegenseitig helfen. Tut einer von beiden das nicht, kann ihn der andere über sein Totemtier Schaden zufügen. Die Mitglieder eines Klans sind verpflichtet rituelle Handlungen am Familien-Schrein durchzuführen. Kommen sie dieser Verpflichtung nicht nach, fügt das Geistwesen dem Totemtier einen Schaden zu, mit der Konsequenz, dass Klan-Mitglieder erkranken oder sogar sterben können.

 

Selbstverständlich ist es streng verboten, die lebendigen Repräsentanten des eigenen Totentieres zu jagen, zu töten oder zu essen. Den Tieren werden Territorien zugewiesen, wo sie unter sich sind. Diese Landstriche werden von den Menschen weder kultiviert noch anderweitig genutzt.

 

 

Herrschaft

 

Im Herrschaftssystem der Diola gibt es Priester-Könige, die eine religiöse Autorität haben und Weise. Der Priester-König ist die höchste religiöse Instanz. Er übermittelt die grundsätzlichen Anordnungen von Emitai. Er ist auch die letzte Entscheidungsinstanz bei Streitigkeiten.

 

Es gibt im Gebiet der Diola sieben Königtümer, von denen heutzutage nur sehr wenige mit einem Priester-König besetzt sind:

 

 

 

 

 

Wenn ein Priester-König stirbt, wird der neue in einem rotierendem System aus einem der drei großen Klans von den Weisen bestimmt. In ihren Träumen erscheint den Weisen eine Person mit einer roten Kopfbedeckung. Wenn alle Weisen im Traum die gleiche Person sehen, wird diese zum neuen Priester-König bestimmt. Derjenige, der als König ausgewählt wird, hat nicht das Recht sich zu verweigern. Er muss sein weltliches Leben aufgeben. Am öffentlichen Leben kann er fortan nicht mehr teilnehmen. Der gegenwärtige König der Diola wohnt in Oussouye. Privat und in der Öffentlichkeit trägt er ein rotes Gewandt und eine rote Haube und er trägt weder Uhr noch Goldschmuck. Neben der religiösen Funktion ist es auch die Aufgabe des Priester-Königs für Frieden zu sorgen. Als Symbol trägt er einen „Strohbesen“ in der Hand. Eine Handbewegung mit dem Besen reicht aus, jeden Streit sofort zu beenden. In früheren Zeiten, als die Diola Kriege gegen südlich gelegene Volksgruppen führten, konnte der Priester-König die Auseinandersetzung schlagartig beenden, indem er seinen Besen erhob. Alle Krieger hatten sofort ihre Waffen niederzulegen.

 

In jedem Dorf gibt es mehrere Weise, die die Geschicke des Dorfes bestimmen. Bei allgemeinen Themen treffen sie sich auf dem Versammlungsplatz. Dort schlichten sie Streit oder treffen gemeinsam Entscheidungen. Sie organisieren Zeremonien und Initiationsfeste. Auch die Weisen sind Personen mit besonderen Kräften. Sie stehen in engerem Kontakt zu den Ahnen als die Fetisch-Priester. Ihr Amt wird von Vater auf den Sohn vererbt. Aus den Reihen der Weisen wird der „Chef über das Brauchtum“ (chef coutumier) bestimmt.

 

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