Die Bassari findet man im Senegal, Gambia, Guinea und Guinea-Bissau, wobei die meisten jedoch in der Kédougou-Region leben. Ihre Bevölkerungszahl liegt zwischen 10.000 und 30.000. Die meisten Bassari sind Animisten. Ein kleiner Teil unter ihnen sind Christen und nur sehr wenige sind Muslime.

 

 

Die Gesellschaft der Bassari kennt kein Kastensystem und basiert hauptsächlich auf dem System der Altersklassen. Von Geburt bis hinein ins hohe Alter gehören die Bassari zu einer Altersklasse. Die soziale Stellung eines Bassari hängt mehr davon ab, zu welcher Altersklassen er gehört als von seinem biologischen Alter. Je weiter man sie Stufen der Altersklassen erklommen hat, desto mehr wird man respektiert, weil die Zugehörigkeit zu einer hohen Altersklasse die Erfahrungen widerspiegelt, die man im Laufe seines Lebens während verschiedener Übergangsriten erworben hat

 

Es existieren ungefähr elf Altersklassen und jede von ihnen ist mit Verpflichtungen, Leistungen für die Allgemeinheit und Zeremonien verbunden. Jede Altersklasse der Männer ist mit einer Altersklasse der Frauen verbunden. Das Übergangsritual von einer unteren in eine höhere Altersklasse findet alle sechs Jahre statt. Es sind alle Mitglieder der Gesellschaft, die dann in die nächst höheren Altersklassen aufsteigen.

 

 

 

Die Altersklassen der Männer

 

Die ambofor (Gemeinschaftshütten) spielen eine wichtige Rolle bei der Bildung der jungen Bassari. Der Zugang zu den Gemeinschaftshütten ist der erste Schritt in einem langen Prozess der sozialen Integration. Die Gemeinschaft der Männer besteht aus folgenden Altersklassen:

 

 

Die Klasse der o-dingta

 

Diese Klasse umfasst die Jungen im Alter von 5 bis ca. 10 Jahren. Der Zeitpunkt des Eintritts in die ambofor wird von den Eltern bestimmt und hängt von der sozialen Reife des Kindes ab. Die Eltern lassen ihren Jungen erst dann für die Gemeinschaftshütte zu, wenn sie davon überzeugt sind, dass ihr Kind ein Geheimnis bewahren, Hungerphasen gut überstehen und Schikanen der älteren Jungen ertragen kann.

 

 

Die Klasse der o-demeta

 

Diese Klasse umfasst die Jungen im Alter von 10 bis ca. 15 Jahren. Es sind die noch nicht initiierten Jungen.

 

 

Die Klasse der o-dug

 

Diese Klasse umfasst die Jungen im Alter von 15 bis ca. 21 Jahren, die kürzlich initiiert wurden. Durch dieses Übergangsritual sind sie eine weitere Stufe in der sozialen Hierarchie hinaufgestiegen und sind nun die Hüter ihrer jüngeren Brüderin der o-demeta. Sie dürfen diese nun in die Technik des Erntens von Honig und der Foniohirse einweisen. Die jungen o-dug schlafen in der ambofor des ‚Vater Chamäleon‘, die ansonsten für alle Nicht-Initiierten und für Frauen streng verboten ist.

 

 

Die Klasse der o-palug

 

Diese Klasse umfasst die Männer im Alter von 21 bis ca. 27 Jahren. In dieser Klasse sind die stärksten und die kräftigsten Männer vertreten. Gegenüber den unteren Klassen zeichnen sie sich durch Ihren Mut aus. Die o-palug durchlaufen mehrere Prüfungen, wie dem linde, der vier Jahre dauert. Im Verlauf dieser Zeit müssen sie vielfältige kollektive Arbeiten verrichten. Nach Ablauf dieser vier Jahre müssen sie das Rituell des jakhis, des eyuk und des mbignar ertragen.

 

 

Die Klasse der o-dyar

 

Diese Klasse umfasst die Männer im Alter von 27 bis ca. 33 Jahren. Die Männer wohnen nun nicht mehr im ambofor und sind häufig auch schon verheiratet. Sie übernehmen kollektive Verantwortung und haben sich gegenüber ihren jüngeren Brüdern vorbildhaft zu betragen. Sie sind Hüter der Tradition und überwachen das Verhalten der Maskenmänner und das der Frauen. Es obliegt ihnen, die Zeremonien anlässlich der Initiationen und bei Begräbnissen zu organisieren.

 

 

Die Klasse der o-kwetek

 

Diese Klasse umfasst die Männer im Alter von 33 bis ca. 39 Jahren, die bereits kollektive Arbeiten und die Bräuche der jungen Männer hinter sich gelassen haben. Sie sind nun hiervon befreit. Von nun an beaufsichtigen sie die o-dyar bei deren Organisation der Initiationszeremonie und überwachen die gerechte Aufteilung der Getränke bei der Zeremonie. Sie übermitteln den o-dyar die Anweisungen der Alten.

 

 

Die Klasse der o-pidor

 

Diese Klasse umfasst die Männer im Alter von 39 bis ca. 45 Jahren. Wie auch die o-kwetek tragen auch diese keine Verantwortung mehr für das geregelte Leben der Gemeinschaft. Während der dörflichen Feste sitzen sie ruhig in der Ecke und lassen sich mit alkoholischen Getränken und mit Essen bedienen. Im Verlaufe der Zeremonien versuchen sie ihre Beziehungen zu den o-dyar weiter zu verbessern, um einen größeren Anteil an den Getränken und am Essen zu erhalten. Wie auch die o-kwetek sehen sie sich als Vermittler zwischen ihrer Altersklasse und der der Jugendlichen.

 

 

Die Klasse der o-nyepa-lang

 

Diese Klasse umfasst die Männer im Alter von 45 bis ca. 51 Jahren. Es sind die Männer, die sich nun den Annehmlichkeiten des Lebens zuwenden.

 

 

Die Klasse der o-pesy-benyany

 

Diese Klasse umfasst die Männer im Alter von 51 bis ca. 57 Jahren. Wegen ihres Alters sind sie nun weniger dynamisch als ihre jüngeren Dorfbewohner. Den größten Teil des Tages sitzen sie auf ihren Matten oder in ihren Hütten und halten sich vom Lärm und den Unannehmlichkeiten im Dorf fern.

 

 

Die Klasse der o-batangalan

 

Diese Klasse umfasst die Männer im Alter von 57 bis ca. 63 Jahren. Wegen ihrer Erfahrung dürfen sie als erstes die alkoholischen Getränke probieren und bestimmen, welche davon den Alten des Dorfes reserviert werden.

 

 

Die Klasse der o-bexarek

 

Diese Klasse umfasst die Männer im Alter von 63 und älter. Sie verfügen über die Macht an Entscheidungen mitzuwirken, die Auswirkungen auf alle Bassari haben. Ihr Status ist unangreifbar. Sie genießen von allen Männern den höchsten Respekt und in Verlauf von Zusammenkünften ist ihr Rat entscheidend.

 

 

Die Altersklassen der Frauen

 

 

Die Frauen erhalten eine Ausbildung und eine Initiation parallel zu der der Männer, an der jedoch ausschließlich Frauen beteiligt sind.

 

 

Die Gemeinschaft der Frauen besteht aus folgenden Altersklassen:

 

 

Die Klasse der od-o-dug

 

Diese Klasse umfasst die Mädchen im Alter von 8 bis ca. 12 Jahren.

 

Die Klasse der od-o-palug

 

Diese Klasse umfasst die Mädchen im Alter von 12 bis ca. 18 Jahren.

 

Die Klasse der od-o-dyar

 

Diese Klasse umfasst die Frauen im Alter von 18 bis ca. 24 Jahren. Sie sind damit beauftragt, ihre jüngeren Schwestern in kollektive Arbeiten einzuweisen. Ebenso bringen sie ihnen bei, sich gegenüber Maskenmenschen und Alten zu verhalten.

 

Die Klasse der od-ebaty

 

Diese Klasse umfasst die Frauen im Alter von 24 bis ca. 30 Jahren. Es sind die Frauen dieser Altersklasse, die sich um kranke Kinder kümmern und diese gegenüber Hexen schützen.

 

Die Klasse der od-sebek-ebatya

 

Diese Klasse umfasst die Frauen im Alter von 30 bis ca. 36 Jahren.

 

Die Klasse der od-berek-bengat

 

Diese Klasse umfasst die Frauen im Alter von 36 bis ca. 42 Jahren. Für die Bassari sind es die Frauen, die auf Feiern solange nicht mehr getanzt haben, dass sie ihren Tanzstock bereits „verbrannt“ haben. Aber trotzdem amüsieren sich diese auf Festen, indem sie ihre jüngeren Schwestern necken.

 

Die Klasse der od-epeka

 

Diese Klasse umfasst die Frauen im Alter von 42 bis ca. 48 Jahren. Ihnen ist es erlaubt, mit dem Maskenmann lutuka zu tanzen. Sie führen auch den Ritus epeka durch, von dem sie ihren Namen erhalten haben. Sie sind es, die bei Zeremonien den älteren Frauen den Alkohol geben und sie sind es auch, die den korrekten Ablauf weiblicher Riten überwachen. Bei Veranstaltungen zwischen benachbarten Dörfern dürfen die od-epeka in Begleitung eines o-dyar an Tanzveranstaltungen des Nachbardorfes teilnehmen.

 

 

Die Klasse der od-sebek-epeka

 

Diese Klasse umfasst die Frauen im Alter von 48 bis ca. 54 Jahren. Sie gelten als die jüngsten unter den älteren Frauen. Sie werden von ihren jüngeren Schwestern sehr respektiert und erhalten bei Zeremonien viele alkoholische Getränke.

 

Jede Altersklasse weist jedem Mitglied der Gesellschaft eine bestimmte Rolle ein. Das System der Altersklassen zerteilt die Gesellschaft in unterschiedliche funktionale Untergruppen, die mit Rechten und Pflichten verbunden sind. Mit den Altersklassen verknüpft sind aber auch die Zirkumzision, die Exzision, die Initiation und die Heirat

 

 

Die Initiation

 

Die Initiation koré ist der Zeitpunkt der Zusammenkunft aller Bassari. Wo auch immer sie gerade leben, zur koré kommen sie zurück ins Dorf. Das Fest beginnt an einem Samstagnachmittag mit Gesängen und Tanzen der o-palug (21-27), das sich bis zum Sonntag auf dem Versammlungsplatz hinzieht. Dort, wo sich die verschiedenen Hütten der Jugendlichen befinden, ist auch der Platz der Festivitäten. Die zukünftig Initiierten verbringen zunächst die Nacht im Wald und kommen erst am Folgetag ins Dorf, wo die Kämpfe stattfinden. Vor dem Beginn der Kämpfe opfern deren Eltern zunächst Hühner, um zu sehen, ob die Dschinnen (biyil) dem Ablauf der Zeremonie günstig gesonnen sind oder nicht. Wenn deren Innereinen von weißer Farbe sind, haben die Dschinnen ihre Zustimmung signalisiert; sind sie hingegen schwarz, müssen ihnen zunächst weitere Tieropfer gebracht werden, da andernfalls mögliche Gefahren auf die Novizen lauern. Nach der Zustimmung der biyil gibt ein Alter aus dem Dorf zwei Schüsse mit seinem Gewehr ab, um die Ankündigt der Maskenmenschen anzukündigen. Der Umzug wird angeführt von dem Maskenmann ‚der Alte‘, der selber aber nicht kämpft. Seine Aufgabe ist es schädliche Einflüsse von den anderen Maskenmännern abzuwenden. Bei ihrer Ankunft auf dem Kampfplatz bilden sich zwei Reihen, auf der einen Seite die Maskenmänner, auf der anderen Seite die Novizen. Sobald sich der erste Maskenmann der Mitte des Kampfplatzes nähert, stürzt der erste Kandidat unter den Novizen auf ihn zu. Jeder Novize hat zwei Kämpfe mit einem Maskenmann. Die Kämpfe dauern ungefähr fünf Minuten. Wenn es einem Novizen gelingt, seinen Gegner umzuwerfen, wird er von seiner Familie und dem ganzen Dorf bejubelt. Am Ende der Kämpfe gehen die Maskenmänner zusammen mit den Kampfwächtern und den Novizen gemeinsam durch das Dorf. Sie erhalten Geschenke, wie Boubous, Geld, Silber, Gebäck etc. von den Eltern der jetzt Initiierten. Nach einer Ehrenrunde kehren die Maskenmänner dorthin zurück, woher sie gekommen waren (zum Fluss, in den Wald …), um sich von ihrem Status eines übernatürlichen Wesens zu lösen. Solange sie kein rituelles Bad genommen haben, um wieder ‚normale‘ Menschen zu werden, ist es ihnen strengstens untersagt, sich einer Frau zu nähern, geschweige denn einen sexuellen Kontakt mit einer Frau zu haben. Jeder Kontakt zu einer Frau würde zu deren Unfruchtbarkeit führen. Auch die Novizen kehren nach Hause zurück, um sich rituell zu waschen und um sich danach in ihrer neuen Kleidung dem Dorf zu zeigen. Im Anschluss nehmen auch sie am Tanz der o-palug teil. Die Feier dauert bis zum späten Nachmittag an. Danach verabschieden sie sich zusammen mit ihren Wächtern vom Dorf und werden in den ‚Heiligen Wald‘ geführt. Die Zeremonie der Verabschiedung steckt voller Symbolismus, da die Neu-Initiierten ihre Vergangenheit verlieren und auf dem Weg zu ‚Vater Chamäleon‘ sind, wo sie als Mensch neugeboren werden. Nach Abschluss dieses Ritus kehrt der Festzug in der Abenddämmerung ins Dorf zurück. Die Neuinitiierten werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Initiierten der ersten Gruppe werden als ‚Morgenmänner‘ (endegeber) bezeichnet, die Initiierten der zweiten Gruppe als ‚Mittagsmänner‘ (endegoyat). Die beiden Gruppen unterscheiden sich durch ihre Aufmachung. Die ‚Morgenmänner‘ tragen das Fell des Panthers, während die ‚Mittagsmänner‘ das Fell des Hammels tragen. Den Trägern des Pantherfells fällt es zu, die Neu-Initiierten zu bewachen. Jede Nacht machen sie sich auf, diese vor den Gefahren durch Hexen zu schützen.

 

 

Zirkumzision und Exzision

 

Im Alter von ca. zehn Jahren werden die Jungen beschnitten. Die Beschneidung wird von einem Mann aus dem Dorf durchgeführt, der sowohl die Jungen, als auch die Mädchen beschneidet. Dieser erste Ritus, um die Jungen in die Gemeinschaft der Erwachsenen einzuführen, wird nur mit einer kleinen familiären Feier verbunden und ist kein Anlass eines großen Dorffestes. Zu Beginn der Trockenzeit, im Dezember oder Januar, werden immer mehrere Jungen gleichzeitig beschnitten. Die ersten Nächte verbringt der Beschnittene in der Hütte seiner Eltern, die auch den Verband wechseln. Nachdem die Wunde verheilt ist, beginnt der Beschnittene einen langen, weißen ipog zu tragen, den er stolz in der Öffentlichkeit trägt.

 

Drei Jahre vor der Exzision beginnt man dem jungen Mädchen (fatag fatyevel) die Brust zu tätowieren. Mit ca. 16 Jahren findet zum Ende der Trockenzeit (gegen Mai) bei den Bassari-Mädchen die Exzision statt. Die Operation wird gegen 7 Uhr morgens, außerhalb des Dorfes, durchgeführt. Männer dürfen, außer dem Beschneider, dem lokuta und dem koré, nicht anwesend sein. Unterhalb ihres weiten Wickelrockes ist das Mädchen nackt. Sie wird auf dem Rücken einer älteren Frau zum Ort der Operation getragen, wo sie auf den Boden hingelegt wird. Die Frauen schieben den Wickelrock bis zur Taille nach oben und halten ihr Arme und Beine fest. Während das Mädchen auf ein Stück Holz beißt, entfernt der Beschneider mit einem Messer die äußeren Schamlippen und die Klitoris. Nach der Operation werden dem Mädchen die Beine gewaschen. Die beschnittenen Mädchen beginnen daraufhin zusammen mit dem koré zu tanzen. Die Tänze sampat’e ziehen sich über drei Tage hin. Während dieser Zeit bekommen die Mädchen reichlich Essen und Trinken angeboten. Danach verbringen die Mädchen ihre Zeit in einer kollektiven Hütte, in der sie gepflegt und immer wieder neu verbunden werden. Jeden Morgen und jeden Abend gehen die Mädchen in ihrem weißen Wickelrock ins Dorf, um sich zu waschen. Während ihres Aufenthaltes in der kollektiven Hütte werden die Mädchen von den Mädchen überwacht, die ungefähr drei Jahre vorher beschnitten wurden, und zusätzlich auch von dem koré.

 

Die Frauen erzählen, dass in den drei Nächten nach der Exzision die ventembesin, die Todesseelen verstorbener Frauen, in das Dorf zurückkommen. Alle Frauen bleiben in dieser Zeit in ihren Hütten verborgen, während die Männer das Dorf durchstreifen, wobei sie mit verstellter Stimme laute Schreie von sich geben.

 

 

 

Der Glaube

 

 

Die Bassari haben einen großen Respekt vor der Natur, die übernatürliche Kräfte beherbergt, da sie daran glauben, dass sich in der Natur die Seelen der Vorfahren befinden. Von dort aus können sie Regen bringen und für Gesundheit und Fruchtbarkeit der Menschen sorgen. Sie haben daneben auch Einfluss auf die Tier- und die Pflanzenwelt. Um sich für die Erfüllung eines Wunsches zu bedanken, oder um einen weiteren Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen werden ihnen von den Bassari Opfer gebracht (Hirsebier oder Tieropfer). Einige Männer und einige Frauen (Seher) verfügen über übernatürliche Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten erlauben es ihnen, zukünftiges Unheil zu sehen und kranke Kinder zu heilen. Sie können die Dorfgemeinschaft auch vor Trockenheit, Unfruchtbarkeit etc. schützen. Nach dem Glauben der Bassari endet die Existenz eines Menschen nicht mit seinem Tod. Für sie ist der Tod nur ein Übergang vom Diesseits ins Jenseits, von der Welt der Lebenden in das Reich der Toten, von der sichtbaren Welt in die unsichtbare Welt. Das Jenseits wird von den biyil bevölkert. Diese werden unterschieden in:

 

 

  • die sichtbaren biyil, die Einheit der Masken und der koré.

  • die unsichtbaren biyil, die Gesamtheit der Todesseelen der Verstorbenen.

  • dem syaboutyara, der ein mächtiger Dschinn ist und in großen Bäumen lebt

 

 

 

Nach der mündlichen Überlieferung haben die Menschen einst mit den biyil friedlich zusammengelebt. Die biyil haben die Menschen zivilisiert und ihnen das Geheimnis der Riten übergeben. Bevor sie ins Jenseits verschwunden sind, haben sie den Lebenden den Kodex des Anstands gelehrt. Obgleich die biyil für die Mehrzahl der Menschen unsichtbar sind, haben sie nicht aufgehört über die Gesellschaft zu wachen. Sie können sich in unterschiedlichen menschlichen oder tierischen Erscheinungen auftreten. Aus diesem Grund misstrauen die Bassari auch Fremden, weil sie bei diesen niemals sicher sein können, ob sie biyil in menschlicher Gestalt sind.

 

Ein günstiger Moment für die biyil sich unter die Menschen zu mischen, ist die Dämmerung der Nacht. Deshalb ist es den Jungen und den Frauen verboten, sich bei Abenddämmerung alleine im Dorf oder unter großen Bäumen zu bewegen. Die Bassari denken, dass die biyil bei Festen sehr oft eine menschliche Erscheinung annehmen und sich unter die Tanzenden mischen. Die Fähigkeit der biyil ein unterschiedliches Aussehen anzunehmen findet sich auch beim Chamäleon, dem Totemtier der Bassari. Unter den biyil befindet sich auch ‚Vater Chamäleon‘, faba-endaw. Er ist der Stammvater des Clans der Benang und verantwortlich für alle initiierten Männer auf dem Gebiet der Bassari. Er ist auch verantwortlich für die Riten der Menschen und für das Verhalten der biyil, die eine menschliche Gestalt angenommen haben. Auf dem Gebiet des Berges paté geschieht nichts ohne sein Einverständnis. Jedes Ereignis dort unterliegt seiner Kontrolle.

 

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