Die Bambara

 

Die Bambara zählen etwa vier Millionen Menschen. In Mali haben sie einen Anteil an der Gesamtbevölkerung von 38 Prozent und in Burkina Faso rund zwei Prozent.

 

Die Bambara sind traditionell Ackerbauern. Die Landwirtschaft bildet auch heute noch die wichtigste Wirtschaftsgrundlage der auf dem Land lebenden Bambara.

 

 

Zur Geschichte

 

 

Seit etwa dem zehnten Jahrhundert sickerten die Vorfahren der Bambara in kleinen Gruppen in ihren heutigen Lebensraum ein, kultivierten den Boden und organisierten sich zu kleinen Dorfgemeinschaften. Zunächst unterstanden sie der Herrschaft der Soninké vom Gana-Reich, später gerieten sie unter die Tributherrschaft von Mali. Mit dem Niedergang des Mali-Reiches am Ende des 15. Jahrhunderts wurden Sie dem Reich der Songhai einverleibt, konnten ihre Kultur jedoch weiterhin ungestört ausüben. Anfang des 17. Jahrhunderts wanderten dann viehzüchtende Fulfulde in das Gebiet des oberen Niger ein und organisierten die ackerbauenden Bambara zu einer selbständigen Macht. Unter dem König Mamari Kouloubali wurden Timbuktu und Djenné erobert und die Zentralgewalt des Reiches gefestigt. Über 200 Jahre hin hält sich dieses machtpolitische Zentrum des Oberniger-Gebietes, bis es sowohl einer inneren Aushöhlung als auch dem nahezu gleichzeitigen Ansturm der fanatischen islamischen Toucouleur unter Hadj Omar und den französischen Truppen des Generals Gallieni erliegen.

 

 

 

 

Die Kasten der Bambara

 

Bei den Bambara gibt es vier Hauptkasten. Die Handwerksberufe unterteilen sich in vier Unterkasten.

 

 

 

- hɔ́rɔn „Noble, freier Mensch“

 

- nyamakhala  „Handwerker und Künstler“

 

- jèli „Griot“

 

- nùmu „Schmied“

 

- gáranke „Lederhandwerker“

 

- kùle „Holzschnitzer,- bearbeiter“

 

-morikεMarabout”

 

- jɔ̀nSklave, unfreier Mensch”

 

Die Initiationsbünde der Bambara

 

Bei den Bambara hat ein Mensch, um Vollkommenheit zu erwerben, sechs verschiedene Initiationsbünde zu durchlaufen.

 

 

 

Die Initiationskulte, die den Eintritt eines Menschen in neue kulturell bedingte Lebensabschnitte verkörpern, spielen eine wichtige Rolle in der Gesellschaft der Bambara und betreffen die gesamte männliche Gemeinschaft. Die einzelnen Initiationsstufen oder -bünde sind: n´domo, komo, nama, kono, tyi wara und korè. Diese Riten sind vor allem durch die Masken bekannt, die während der Zeremonien getragen werden.

 

In einer mehrjährigen Ausbildung geht der Novize von einer „niedrigeren“ zu „höheren“ Stufen, um in deren Geheimnisse eingeweiht zu werden. Die Wissensvermittlung erfolgt von den Alten an die Jungen häufig unter vier Augen, also nicht notwendigerweise in der Gruppe. Die „Initiationsleiter“ hat insgesamt sechs Hauptsprossen.

 

n´domo

 

Die erste Initiationsstufe heißt n´domo. Sie ist offen für nicht beschnittene Jungen und repräsentiert den reinen Menschen, als dieser die Hand Gottes verließ und noch nicht beschnitten und auch noch zweigeschlechtig war. Der Junge trägt in dieser Stufe also noch männliche und weibliche Merkmale. Die weiblichen Merkmale werden am Ende dieser Initiationsstufe entfernt. Innerhalb des n´domo geht der Junge durch fünf Klassen zur Menschwerdung und zur Erlangung von Wissen. Jede dieser Stufen trägt den Namen eines Tieres, das durch ein Symbol repräsentiert wird. In aufsteigender Reihenfolge sind das „Löwe” jàra, Kröte” ntori, Vogel” kɔ̀nɔ, Perlhuhn” kàmi und Hund” wùlu. Die Jungen verbringen fünf Jahre im n´domo-Initiationsbund, also ein Jahr in jeder Initiationsstufe.

 

Die Löwen sind die Wächter eines großen Wissens und geben dieses Wissen in dieser Initiationsstufe an die Jungen weiter. Die großen Geheimnisse werden mit Hilfe von dem dyaraw-Symbol offenbart, welches den menschlichen Geist repräsentiert. Die Kröten stehen unter dem Schutz eines schwanzlosen Froschlurchs, des Symbols für Tod und Wiederauferstehung des Menschen. Die Vögel werden assoziiert mit allen Geschöpfen, die Flügel haben. In dieser Initiationsstufe beginnt der n´domo mit den Jungen über die spirituellen Prinzipien zu diskutieren, die in den Körpern der Schüler ruhen. Das Perlhuhn bildet eine symbolische Verbindung zur Sonne und der Erde. In dieser Initiationsstufe werden die Schüler in die Probleme eingeführt, die ein Kontakt mit der äußeren Welt mit sich bringt. Die letzte Einweihungsklasse des n´domo symbolisiert der Hund, der die menschliche Gemeinschaft repräsentiert. Diese fünf Initiationsstufen mit ihren Symbolen unterweisen die Jungen in Fragen des Menschseins, insbesondere in Hinblick auf seinen Geist (Löwe), auf Leben und Tod (Kröte), die Gesamtheit der Spiritualität, die dessen Gedanken formen (Vogel), seine Verbindung mit dem Kosmos (Perlhuhn) und letztendlich seine Existenz als soziales Wesen (Hund). Wenn die Jungen nach fünf Jahren den n´domo-Initiationsbund verlassen, werden sie von ihrer zweigeschlechtlichen Natur durch die Entfernung ihres weiblichen Elements, symbolisiert durch die Vorhaut, befreit. Nun treten sie in einen neuen Initiationsbund ein, dem komo.

 

komo

 

Das menschliche Wissen wird durch vier grundsätzliche komo ausgedrückt, jedes dieser komo beleuchtet dieses Wissen von einem anderen Blickwinkel aus. Diese vier komo werden von den Bambara als „Mütter“ bezeichnet, wobei jede dieser „Mütter“ eine Anzahl von „Kindern“ - untergeordnete komo - hat. Diese vervollständigen und erweitern die Vorstellung, die durch ihre jeweilige „Mutter“ ausgedrückt wird. Die erste komo - „Mutter” trägt den Namen sèn „Fuß” und repräsentiert den Beginn des Wissens. Das sèn lehrt die Wege eines Zugangs zu Wissen und dessen Vergrößerung. Die zweite komo -„Mutter” wird sutorogenannt. Sutoro ist ein afrikanischer Feigenbaum, dessen Zweige bei Begräbnisriten verwendet werden und die zusammen mit der Leiche begraben werden, wodurch diese „Mutter“ für Tod und Wiedergeburt steht. Alles Wissen kommt aus dem Unbekannten, dem Tod, und behauptet sich durch die Wiedergeburt. Diese „Mutter“ lehrt Erleuchtung und das Vermitteln von Wissen durch Demonstration. Die dritte komo -„Mutter” ist tamla und charakterisiert den göttlichen Charakter des Wissens. Es steht auch für die Erleuchtung und freudige Erregung des Geistes beim Erwerb von Wissen. Die vierte und letzte komo - „Mutter” wird karangara „Unglück bringen” genannt und beschreibt das Unwohlsein, das mit dem Erwerb von Wissen verbunden sein kann. Dieses komo betrachtet Wissen als Qual für diejenigen, die hiernach suchen. Nach Beendigung des komo beginnen die Jugendlichen die Ausbildung im nama, die sich insbesondere mit Beziehungen der Menschen untereinander beschäftigt.

 

nama

 

Im nama wird der Jugendliche unterwiesen in der Unterscheidung von „Gut“ und „Böse“ und lernt Maßnahmen gegen Hexerei kennen. Bei der Verfolgung von Hexen lernt er die Instrumente kennen, die diese zur Unterwerfung und Bezwingung von Opfern anwenden. Die Initiierten erwerben hier aber auch Kenntnisse im Zusammenhang mit der späteren Vermählung mit einer Frau. Ebenfalls lernen sie die geheime Symbolsprache kennen, die die Bambara untereinander anwenden. Um die Kenntnis von Interaktionen untereinander zu vertiefen, treten die Jugendlichen in den vierten Initiationsbund, dem kono, ein.

 

kono

 

Der kono lehrt die Natur des Menschen, der Dualität aus Geist und Körper. Den Jugendlichen wird nahegelegt, auf die „innere Stimme“ zu hören, um richtig zu handeln und auch um zwischen „gut“ und „böse“ zu unterscheiden. Die kono-Maske, die einen Elefanten (Symbol der Intelligenz) und den Vogel (Symbol des Geistes) repräsentiert, steht für die innere Stimme eines Menschen, die ihm hilft sich richtig zu entscheiden. Der kono leitet über zum fünften Initiationsbund, dem tyi wara, der eine Verbindung herstellt zur landwirtschaftlichen Lebensweise der Bambara.

 

tyi wara

 

Der tyi wara-Bund ist grundsätzlich offen für Männer und Frauen, allerdings haben nur Männer und beschnittene Kinder Zutritt zu bestimmten Initiationsriten. Im tyi warawerden die Initiierten in die physischen und moralischen Werte landwirtschaftlicher Arbeit und in der Verwendung landwirtschaftlicher Gerätschaften unterwiesen. Die Jugendlichen lernen aber auch die tiefe kosmische Bedeutung der Sonne und der Erde kennen, da letztendlich jede landwirtschaftliche Arbeit auf den Beitrag von Sonne und Boden angewiesen ist. Inhalt dieses Initiationsbundes ist deshalb alles, was mit dem Anbau von Getreide, Gemüse und Obst in Verbindung steht, ebenso wie Techniken zum Bauen von landwirtschaftlichen Geräten. In diesem Bund wird auch Wissen über pflanzliche Giftstoffe vermittelt. Das tyi wara führt zum letzten Initiationsbund, dem korè.

 

korè

 

Das korè führt den Initiierten in die Geheimnisse der Kommunikation mit Gott ein und deren Kenntnis ist unverzichtbar für die intakte Wiedergeburt eines Menschen. Ohne diese Hilfe würde dem Menschen jedes Mal, wenn er zur Erde zurückkehrt, ein Teil seines spirituellen Wesens von Gott abgeschnitten werden und im Himmel verbleiben. Um zu lernen endlose Wiedergeburten zu ertragen, durchleidet der Initiierte einen symbolischen Tod, was ihn lehrt, dass der körperliche Tod kein Leiden und keine Endgültigkeit bedeutet, sondern die Einheit mit Gott herstellt. Deshalb werden die Initiierten in dieser Zeit von der Dorfgemeinschaft vollkommen isoliert. Diese Atmosphäre der Isolation und Trennung leitet den symbolischen Tod ein. Dort wird er mehreren Prüfungen ausgesetzt:

 

1. Das Legen von zwei Messern auf der Zunge des Initiierten. Ein eisernes Messer ist dazu gedacht ihn zu töten, ein hölzernes Messer stiftet den Keim für neues Leben.

 

2. Die Qual der Einsamkeit. Diese repräsentiert das Verweilen in einem Grab wie auch die Rückkehr in den Schoß der Mutter.

 

3. Das Gehen auf heißer Asche. Dieses repräsentiert die Selbstreinigung und die Abkehr von individuellen Wünschen.

 

4. Die Passage unter dem Gewölbe. Das Gewölbe steht für den Himmel und erinnert den Initiierten daran das Wissen Gottes zu suchen.

 

5. Der Aufenthalt in der Strohhütte. Die Strohhütte symbolisiert die himmlische Küche, in der der Initiierte zur „Nahrung“ Gottes wird.

 

 

 

Einige Tage nach dem symbolischen Tod findet das Ritual der Wiederauferstehung des Initiierten statt. In diesem Bund hat dieser acht Initiationsstufen zu durchlaufen, die ihm eine fortschreitende göttliche Erfahrung offenbaren.

 

 

 

sulaw„die Affen” zeigen dem Initiierten sein „tierisches“ Wesen.

 

bias tigiw„die Peitschenmeister” repräsentieren die Beherrschung des Wortes.

 

surukuw„die Hyänen” erinnern den Initiierten daran Leidenschaft zu kontrollieren und Habgier zu vermeiden.

 

tatuguw„die Feuerträger” repräsentieren die Erleuchtung und Reinheit des Geistes.

 

dugaw„die Geier” repräsentieren die spirituelle Freude für diejenigen, die auf dieser Stufe die Verbindung mit Gott erfahren.

 

kurumaw„die Ramponierten” repräsentieren Gottes Inbesitznahme seiner Braut, also des Initiierten.

 

jaraw „die Löwen” repräsentieren die Großartigkeit, Gerechtigkeit und die Gelassenheit von Gott.

 

karaw „die Plankenträger” drücken die Idee der Identifikation des Initiierten mit dem Unsichtbaren aus.

 

 

Die karawist die wichtigste Altersklasse des korè. Die Planken, die deren Mitglieder der Öffentlichkeit stolz präsentieren, symbolisieren die Göttlichkeit und die enge Verbindung der Initiierten mit Gott.

 

 

 

 

 

Log In Registration